Ex-Nato-General Domröse nennt Trumps Aussagen »unanständig«
Die abfälligen Äußerungen des US-Präsidenten über die Nato-Alliierten im Afghanistan-Einsatz sorgen für scharfe Kritik von Bundeswehr-Veteranen. »Über gefallene Kameraden als Feiglinge zu sprechen, ist unanständig«, sagte der pensionierte General Hans-Lothar Domröse dem SPIEGEL. Domröse war von 2008 für ein Jahr im Hauptquartier der Nato-Truppen in Kabul eingesetzt, später fungierte er als Nato-Befehlshaber in Brunssum.
Der frühere General hält die Darstellung von Trump, die Alliierten der USA hätten sich in Afghanistan vor risikoreichen Einsätzen an der Front gedrückt, für »völlig überzogen«. »Den knallharten Krieg gegen den Terror, inklusive der Jagd auf die Anführer wie Osama Bin Laden, haben die Amerikaner weitgehend allein geführt«, so Domröse.
Trotzdem hätten alle Alliierten, auch die Deutschen, ihre Aufgaben erfüllt. »Natürlich haben die Amerikaner und die Briten die höchsten Verluste erlitten, doch auch wir haben mit 59 Gefallenen einen hohen Blutzoll gezahlt«, sagte Domröse. Er verneige sich »in tiefem Respekt vor den Gefallenen aller Nationen«.
Im Sender Fox News hatte sich Trump kürzlich verächtlich über die Truppen aus Nato-Partnerstaaten geäußert, die in Afghanistan im Einsatz waren. »Sie werden sagen, dass sie einige Truppen nach Afghanistan geschickt haben«, sagte der US-Präsident über andere Nato-Mitglieder. »Und das haben sie auch, aber sie blieben etwas zurück, etwas abseits der Front«, ergänzte er. Zugleich wiederholte der US-Präsident, dass die Nato den USA nicht zu Hilfe kommen würde, falls sie darum gebeten würde.
In Großbritannien hatten die Aussagen für Empörung gesorgt. Premierminister Keir Starmer sagte, er empfinde Trumps Äußerungen als »beleidigend und wirklich erschreckend« sowie verletzend für alle, deren Angehörige in Afghanistan getötet oder verletzt worden seien. Starmer legte dem US-Präsidenten nahe, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Auch Prinz Harry forderte von Trump Respekt für britische Soldaten. Großbritannien hatte beim Einsatz in Afghanistan 457 Gefallene zu beklagen, die Truppen kämpften auch in den gefährlichsten Regionen des Landes an der Seite der USA.