Droht ein neuer Krieg in Nahost?

Europa ohne Amerika?

Der Kanzler liefert gerade eine Grundsatz-Trilogie zur neuen Rolle Deutschlands und Europas in der Welt ab. Die Story handelt von der Abnabelung von Amerika. Friedrich Merz hat eine entsprechende Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos gehalten (»neue Ära der Großmächte«) und eine Regierungserklärung im Bundestag abgegeben (europäisches »Glück der Selbstachtung« vs. Amerikas Großmachtpolitik). (Lesen Sie hier  die Analyse dazu).

Bevor Merz nun Mitte Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine weitere Ausdeutung des neuen, distanzierten Verhältnisses zu Amerika liefern wird, sitzt er heute in Kroatiens Hauptstadt Zagreb mit Parteifreunden zusammen: Dort wollen die europäischen Staats- und Regierungschefs aus der Europäischen Volkspartei (EVP) – also jenem Verbund, zu dem auch CDU und CSU gehören – über die Rolle Europas in einer sich politisch so dramatisch wandelnden Welt sprechen.

EVP-Chef und Gastgeber Manfred Weber, der zugleich auch CSU-Vize ist, sagte vorab dem SPIEGEL: »Wenn wir uns einig sind, dass Europa unabhängiger werden soll, müssen wir den nächsten Schritt gehen.«

Was soll das sein, der nächste Schritt? Weber: Ein echter »europäischer Präsident« statt Kommissionschefin und Ratspräsident; Abschaffung des Prinzips der Einstimmigkeit in der Außenpolitik, um sich nicht mehr von Viktor Orbán und Co. in Geiselhaft nehmen zu lassen; gemeinsame europäische Friedenstruppen in der Ukraine als Keimzelle einer europäischen Armee.

Weber träumt groß. Dazu Merz: »Ich plädiere dafür, dass wir uns zunächst und mit Vorrang auf die Aufgaben konzentrieren, die jetzt auf dem Tisch liegen, und dazu zählen die beiden: Verteidigungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.«

  • Die ganze Geschichte hier: »Wir brauchen einen europäischen Präsidenten« 

US-Aufmarsch gegen Iran

Die Lage ist, nun ja, unübersichtlich. Die USA haben ihre Militärpräsenz im Nahen Osten verstärkt, Donald Trump droht Iran via Social Media: Eine »massive Armada« sei auf dem Weg. Die Zeit laufe ab: »Macht einen Deal!« Sonst werde der nächste Angriff »viel schlimmer« sein als die US-Luftschläge im vergangenen Juni, die insbesondere Irans Atomanlagen galten.

Was hat das zu bedeuten? Geht es Trump darum, auf die blutige Niederschlagung der Proteste durch die Islamisten in Teheran zu reagieren? Will er das Regime stürzen? Geht es noch einmal um die Nuklearanlagen? Oder ist alles nur Show? Mein Kollege Bernhard Zand schreibt hier : »So klar dieser Aufmarsch auf einen bevorstehenden Angriff hindeutet, so unklar sind die Ziele, die Washington damit verfolgen könnte.«

Anfang der Woche traf der Flugzeugträger USS »Abraham Lincoln« im Einsatzgebiet des US-Zentralkommandos ein, das weite Teile des Nahen Ostens umfasst, darunter auch Iran. Begleitet wird er von drei Lenkwaffen-Zerstörern und weiteren Kriegsschiffen. Zusätzlich haben die US-Streitkräfte Kampfjets, Tank- und Aufklärungsflugzeuge in die Region verlegt. Und Iran? Außenminister Abbas Araghchi sagt laut Nachrichtenagentur AP, sein Land sei zu Verhandlungen bereit, es gebe derzeit aber keine Absicht, sich »mit den Amerikanern zu treffen«.

  • Mehr Hintergründe hier: Iran zu Gesprächen bereit. Aber ebenso »bereit für einen Krieg«

Tödliches Drama am Großglockner

Es ist eine packende, eine tieftraurige Geschichte, die meine Kollegen Jonas Kraus und Gerhard Pfeil hier  aufgeschrieben haben. Ich bin nicht mehr davon losgekommen, manche Passagen habe ich zweimal gelesen. So verstörend ist das, was da vor einem Jahr am Großglockner geschehen ist.

Ein junges Paar aus Salzburg will am 18. Januar 2025 den höchsten Berggipfel Österreichs bezwingen. Er, Thomas P., ist ein erfahrener Bergsteiger, übernimmt die Führung. Sie, Kerstin G., liebt die Berge, geht öfter zum Klettern.

Sie überlebt die Bergtour nicht. Ihr Freund lässt sie in der Nacht unterhalb des Gipfels zurück, bei stürmischem Wind und Eiseskälte – um Hilfe zu holen. Am nächsten Tag finden die Retter Kerstin G. zusammengekauert, erfroren.

Thomas P. ist nun wegen »grob fahrlässiger Tötung« angeklagt, ihm werden schwere Fehler bei der Planung der Tour vorgeworfen. Der Anwalt von G. sagt dagegen, es sei ein »tragischer Unglücksfall« gewesen. Der Fall beschäftigt Österreich, im Februar beginnt der Prozess. Sie können heute den zweiten Teil unserer Podcast-Mini-Serie zum Thema hören.

  • Den Podcast finden Sie hier: Tod am Großglockner (2/2) – Die Nacht

Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.

Gewinner des Tages…

…sind die deutschen Handballer. Nach dem Sieg gegen Kroatien (31:28) gestern stehen sie nun am Sonntag im EM-Finale gegen Dänemark.

Letztmals wurde Deutschland im Jahr 2016 Handball-Europameister. Ich drücke die Daumen.

  • Eine Mannschaft wie im Rausch

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Senat beschließt Gesetz zur Abwendung eines längeren Shutdowns: Nach den Schüssen auf US-Bürger in Minnesota haben Demokraten einen Streit über den Haushalt eskaliert. Nun steht eine Lösung bevor. Damit soll ein Stillstand der Regierungsgeschäfte vermieden werden.

  • Springsteen tritt bei Demonstration in Minneapolis auf: Trotz Kälte zogen wieder Tausende durch Minneapolis, um gegen die US-Regierung und das gewaltsame Vorgehen von ICE-Beamten zu protestieren. Auch Rocklegende Bruce Springsteen war vor Ort und sang erstmals live seine neue Protesthymne.

  • Nasa muss Test für Mondmission verschieben: Zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren sollen wieder Menschen Richtung Mond fliegen. In Cape Canaveral ist das Raketensystem bereits in Stellung gebracht. Aber jetzt muss die US-Raumfahrtbehörde wegen des Wetters umplanen.

Heute bei SPIEGEL Extra: Hätte der Tod dieses Teenagers verhindert werden können?

Es gab Anzeichen dafür, dass der 15-jährige Victor aus Berlin sich das Leben nehmen wollte. Nahm seine Schule sie ernst genug? 

Verzeihen Sie mir die Schwere der Themen heute. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag und ein schönes Wochenende.

Ihr Sebastian Fischer, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Unionspolitiker Weber, Merz: »Europäischer Präsident«

Foto: Antonio Bat / EPA

Flugzeugträger USS »Abraham Lincoln« (Archivbild)

Foto: ZUMA Press Wire / IMAGO

Großglockner, 3798 Meter hoch

Foto: Johann Groder / EXPA / picturede / picture alliance

Deutsche Handballer beim Schlussjubel nach dem Sieg über Kroatien

Foto: Marco Wolf / wolf-sportfoto / IMAGO
Foto:

Marlena Waldthausen / DER SPIEGEL

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