McAllister spricht von »schwerster Krise innerhalb der Nato«
US-Präsident Donald Trump ist zurückgerudert und will Grönland offenbar doch nicht mehr annektieren. Doch kann man Trump trauen? Der Chef des Außenausschusses des EU-Parlaments, David McAllister (CDU), bezeichnete den Grönlandkonflikt als »bisher schwerste Krise innerhalb der Nato«. Die schlimmsten Szenarien seien abgewendet worden, sagte er der »Welt am Sonntag«. »Aber wir müssen uns für den Fall wappnen, dass Trump seine Meinung erneut ändert.« Es sei richtig gewesen, dass die EU gegenüber Trump Ruhe bewahrt habe, sie habe dem US-Präsidenten »aber auch sehr deutlich ihre roten Linien – wie eine Verletzung territorialer Integrität – aufgezeigt«.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hingegen wertete das Einlenken von Trump als Erfolg Europas. »Es hat sich gezeigt, dass Geschlossenheit und Entschlossenheit auf der europäischen Seite durchaus etwas bewirken können«, sagte er am Donnerstag zum Auftakt des EU-Gipfels in Brüssel. »Ich bin sehr dankbar, dass Präsident Trump Abstand genommen hat von seinen ursprünglichen Plänen, Grönland zu übernehmen.«
Altmaier: »Es wird noch ein langes Match«
Auch der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht einen grundsätzlichen Erfolg Europas, wählt jedoch ähnlich mahnende Worte wie McAllister: »Das kluge und entschlossene Auftreten der Europäer in Davos, wie zum Beispiel in der Rede von Emmanuel Macron, und ihre Bereitschaft, notfalls handelspolitische Maßnahmen zu treffen, haben Trump mehr beeindruckt als die Beschwichtigungsversuche zuvor«, sagte Altmaier der »Welt am Sonntag«. »Wer Trump kennt, weiß allerdings, dass er sein Annexionsziel für Grönland keineswegs aufgegeben hat. Es wird noch ein langes Match.«
Auch der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), sieht keine dauerhafte Entspannung im transatlantischen Verhältnis. »Die ökonomischen Beziehungen zwischen Europa und Amerika bleiben angespannt, noch nie in jüngerer Zeit war die Unsicherheit für unsere Wirtschaft so groß.« Auch die USA seien aber von Europa abhängig. Im Fall neuer Drohungen aus Washington könnte die EU »zum Beispiel in Erwägung ziehen, Unternehmen wie Apple und Google von öffentlichen Aufträgen auszuschließen oder ihre Dienstleistungen mit Abgaben zu belegen«.
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