Pistorius verteidigt die Bundeswehr gegen Kritik von Trump

Im In- und Ausland stoßen Donald Trumps abfällige Äußerungen über die Nato-Alliierten im Afghanistaneinsatz auf scharfe Kritik. Es reagierten bereits Politiker wie Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, aber auch Prinz Harry sowie Bundeswehrveteranen. Ex-Nato-General Hans-Lothar Domröse sagte dem SPIEGEL: »Über gefallene Kameraden als Feiglinge zu sprechen, ist unanständig.«

Nun hat auch Verteidigungsminister Boris Pistorius die Bundeswehr gegen Unterstellungen von US-Präsident Trump im Kontext des Afghanistaneinsatzes verteidigt. »Unsere Bundeswehr stand bereit, als unsere amerikanischen Verbündeten nach dem islamistischen Terroranschlag von 2001 um Unterstützung gebeten haben«, sagte der SPD-Politiker der »Bild«. »Für diesen Mut und den hochprofessionellen Einsatz ist Deutschland unserer Bundeswehr sehr dankbar.«

Trump hatte im Sender Fox News erneut behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten hätten zwar nach dem 11. September 2001 Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch »ein wenig« zurückgeblieben, »etwas abseits der Frontlinien«, sagte Trump.

Pistorius betonte hingegen, deutsche Soldatinnen und Soldaten seien 19 Jahre lang in Afghanistan im Einsatz gewesen. »Sie haben ihren Auftrag unter höchsten Gefahren für Leib und Leben und unter extremen Bedingungen erfüllt.« Dafür habe Deutschland einen hohen Preis gezahlt: »59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit.«

Der Verteidigungsminister versprach: »Wir werden den Einsatz und Mut unserer Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan in Ehren halten. Ganz egal, von wem das infrage gestellt wird. Sie sind nie vergessen.«

Auch Außenminister Johann Wadephul betonte die Opfer, welche die Bundeswehr und andere Alliierte am Hindukusch gebracht hätten. »Sie sind Helden, genau wie die amerikanischen, britischen, dänischen, kanadischen, französischen oder Soldaten aus weiteren Ländern, die ihr Leben dafür gegeben haben, unser Bündnis zu verteidigen«, sagte Wadephul, der auch Oberstleutnant der Reserve ist, der »Welt am Sonntag«.

»Präsident Trump vergiftet transatlantische Freundschaft«

Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel Fünf des Nato-Vertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation al-Qaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.

Hendrik Hoppenstedt (CDU), Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion, sagte gegenüber »Bild«: »Präsident Trump vergiftet nicht nur weiter die transatlantische Freundschaft.« Seine Äußerungen seien eine »Verhöhnung unserer Gefallenen, eine Beleidigung der Hinterbliebenen und eine inakzeptable Herabwürdigung unserer Streitkräfte insgesamt«.

Auch der Wehrbeauftragte Henning Otte (CDU) zeigte sich konsterniert. Er betonte, Deutschland habe gemeinsam mit vielen Nato-Verbündeten nach dem 11. September an der Seite der USA gestanden. Auch er erinnerte an Tote und Verwundete. »Diese Einsatzbereitschaft wurde von unseren amerikanischen Freunden stets anerkannt«, sagte er laut dem Zeitungsbericht. »Umso unverständlicher ist Präsident Trumps Aussage – ob aus politischem Kalkül oder aus Unkenntnis.«

Lesen Sie hier weiter: Wie die deutsch-amerikanischen Beziehungen einen neuen Tiefpunkt erreichten , während der Kanzler Fußball guckte.

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