»Irregulär« – Portugal wütet nach deutschem Tor und erhält Zustimmung vom Verband
Die portugiesischen Handballnationalspieler sind wütend. Anlass ist ein Tor kurz vor Schluss im ersten Hauptrundenspiel der Europameisterschaft gegen Deutschland. Die Partie fand am Donnerstagabend statt, Portugal unterlag der deutschen Auswahl 30:32.
Konkret geht es um den Treffer zum Endstand, wenige Sekunden vor Spielende von Renārs Uščins erzielt. »Das letzte Tor der Deutschen ist irregulär. Ich muss das so sagen. Ich hoffe, dass es uns in der Endabrechnung der Gruppe nicht schaden wird«, hatte Portugals Nationaltrainer Paulo Pereira laut »A Bola« nach dem Spiel gesagt.
Anlass der Kritik: Der Treffer entstand kurz nach einem Anwurf der DHB-Mannschaft. Im Moment dieses Anwurfs befanden sich allerdings zwei deutsche Spieler in der gegnerischen Hälfte. Im Detail muss zwischen Anpfiff und Anwurf unterschieden werden. Laut Regelwerk dürfen die Spieler der angreifenden Mannschaft die gegnerische Hälfte betreten, sobald die Schiedsrichter anpfeifen. Der Anwurf wiederum muss innerhalb von drei Sekunden nach dem Anpfiff erfolgen.
Der Europäische Handballverband EHF gab später eine offizielle Erklärung ab und stimmte den Portugiesen zu. »Zwei deutsche Spieler (Nr. 5 und Nr. 23) hatten vor dem Pfiff des Schiedsrichters die Mittellinie überquert, woraufhin Spieler Nr. 23 den Ball erhielt und ein Tor erzielte«, erläuterte der Verband. Die Nummer 23 trägt DHB-Star Uščins.
Demnach hätten die Referees auf eine Wiederholung des Anwurfs entscheiden müssen. Was sie nicht hätten entscheiden dürfen: Den Ballbesitz vom deutschen auf das portugiesische Team zu übertragen. Ein wichtiges Detail, denn: Laut Regularien des Welt-Handballverbands darf der Videoschiedsrichter nur dann eingreifen, wenn »spielverändernde Situationen« eintreffen, etwa ein Ballbesitzwechsel.
Der deutsche Treffer zum 32:30 hätte demnach nicht zählen dürfen, der Anwurf aber wiederholt werden müssen. Verloren hätte Portugal dieses Spiel also wohl trotzdem. Dass die Fehlentscheidung dennoch ein großes Thema nach der Partie war, hat einen Grund: In der EM-Hauptrunde mit sechs sehr starken Teams in der Gruppe I kann die Tordifferenz ein entscheidender Faktor für das Erreichen der Finalrunde sein.
In der ersten von zwei Hauptrundengruppen ist Deutschland nach zwei Siegen aus zwei Begegnungen und einer Tordifferenz von +4 Erster. Portugal ist nach einem Sieg mit zwei Punkten und einer ausgeglichenen Tordifferenz Vierter. Wenn Renārs Uščins Tor nicht gezählt und es beim 30:31 geblieben wäre, hätten die Portugiesen ein Torverhältnis von +1, wie Dänemark und Frankreich auf den Plätzen zwei und drei auch.
Diskussionen mit dem schwedischen Schiedsrichter Mirza Kurtagic
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