Fitnessvideos können junge Männer binnen Minuten verunsichern
Videos in den sozialen Medien vermitteln mitunter problematische Schönheitsideale. Australische Forscherinnen haben nun herausgefunden, dass Fitness-Clips auf TikTok bei jungen Männern die Unzufriedenheit mit ihrem Körper steigern und das Interesse an Muskelaufbaupräparaten verstärken können. Das geht aus einer Studie der Flinders University hervor, die im Fachjournal »Body Image« erschienen ist.
Für die Studie haben die drei Forscherinnen zunächst 282 Männer im Alter von 17 bis 30 Jahren unter anderem gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem Körper und ihrer Fitness sowie ihrer Ernährung sind. anschließend zeigten sie ihnen drei Minuten lang TikTok-Videos, heißt es in einer Mitteilung . Der Inhalt: entweder Fitnessratschläge, Werbung für Nahrungsergänzungsmittel oder themenfremde Reiseinhalte. Danach sollten die Männer erneut erklären, wie sie ihre Körper, ihre Fitness, ihre Ernährung und ihre Absichten zur Einnahme von Muskelaufbaupräparaten einschätzten.
Diejenigen, die Fitness- oder Nahrungsergänzungsmittel-Videos gesehen hatten, berichteten anschließend von einer geringeren Zufriedenheit mit ihrer Fitness und Ernährung als diejenigen, die Reiseinhalte gesehen hatten. Außerdem zeigten sie eine stärkere Absicht, das beliebte Muskelaufbaupräparat Kreatin einzunehmen.
Fitnessvideos hatten der Studie zufolge besonders starke Auswirkungen auf die jungen Männer: Die Clips verringerten die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und steigerten das Interesse an Nahrungsergänzungsmitteln sogar noch stärker als Inhalte, die speziell auf Nahrungsergänzungsmittel zugeschnitten waren.
Die Ergebnisse zeigten, wie schnell solche Inhalte die Wahrnehmung und das Verhalten junger Männer beeinflussen können, sagte Psychologin Nepheli Beos, Hauptautorin der Studie: »Schon wenige Minuten mit idealisierten Fitness- oder Nahrungsergänzungsinhalten können die Einstellung von Männern zu ihrer eigenen Fitness und Ernährung verändern und ihren Wunsch verstärken, nach Produkten zu suchen, die einen schnelleren Muskelaufbau versprechen.«
Co-Autorin Ivanka Prichard eklärte: »Das Problem ist nicht die Bildschirmzeit – es ist die wiederholte Konfrontation mit hypermuskulösen Körpern, Werbung für Nahrungsergänzungsmittel und Fitnessinhalten im Steroid-Stil, die zunehmend mit Muskeldysmorphie in Verbindung gebracht wird, einer diagnostizierbaren psychischen Erkrankung«.
Nicht alle Fitnessinhalte seien schädlich, betonen die Forscherinnen. Junge Männer benötigten aber mehr Hilfe, um Onlineinhalte kritischer bewerten zu können.
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TikTok-App auf einem Smartphone
Foto: Marijan Murat / dpa