Taylor Swift versteht selbst nicht, wie ihre Songs passieren
»Wer sind die größten 30 lebenden US-amerikanischen Songwriter?«: Diese Frage hat das »New York Times Magazine« 250 Musikexpertinnen und -experten und sechs »Times«-Kritikern gestellt. Zu den Auserwählten zählen unter anderem Jay-Z, Mariah Carey, Dolly Parton, Lana Del Rey, Kendrick Lamar, Bad Bunny und Taylor Swift. Letztere hat dem Magazin ein 30-minütiges Videointerview gegeben.
Swift, 36, die selten mit Medien spricht, skizziert in dem Video ihren Songwriting-Prozess und beschreibt anhand verschiedener Songs aus ihrer Karriere, dass diese immer auf unterschiedliche Art und Weise entstehen. »Ich verstehe immer noch nicht ganz genau, wie es funktioniert«, sagt sie. Den Hit »Love Story« aus dem Jahr 2008 habe sie beispielsweise als 17-Jährige geschrieben – »in meinem Zimmer, sauer auf meine Eltern, weil sie mich nicht auf ein Date mit einem viel zu alten Typen gehen lassen wollten, mit dem ich sowieso nicht auf ein Date hätte gehen sollen.«
»Diese Person hat diesen Song nicht geschrieben. Ich habe ihn geschrieben«
Um herauszufinden, von wem ihre Songs handelten, gingen einige ihrer Fans »extrem« weit, sagte Swift weiter. »Da wird es ein bisschen merkwürdig für mich, wenn Menschen so tun, als sei es eine Art Vaterschaftstest: ›Dieser Song handelt von dieser Person.‹ Dann sage ich: ›Diese Person hat diesen Song nicht geschrieben. Ich habe ihn geschrieben‹«
Bei manchen Songs, wie »Elizabeth Taylor« ist dagegen offensichtlich, von wem der Song handelt. Der Song sei laut Swift bei einer Autofahrt mit ihrem Verlobten Travis Kelce, 36, entstanden. Sie habe Kelce dabei erklärt, warum sie von der Schauspielerin Elizabeth Taylor (1932-2011) so fasziniert sei.
»Sie hat für die Rechte von Künstlern gekämpft. Sie wurde in so vieler Hinsicht ausgebeutet und hat sich trotzdem ihre Menschlichkeit bewahrt. Sie hat sich ihren Humor bewahrt. Sie hat sich ihre Leidenschaft für das Leben bewahrt. Ich habe immer weiter geredet.« Als sie zu Hause angekommen seien, sei Kelce schon aus dem Auto ausgestiegen, aber sie habe plötzlich eine Melodie in ihrem Kopf gehabt – »und dann habe ich so schnell wie möglich die Aufnahme-App auf meinem Handy geöffnet.«
»All Too Well« hätte es fast nicht gegeben
Sie spricht auch über die Entstehungsgeschichte eines ihrer erfolgreichsten Songs »All Too Well«. Damals sei sie 21 und »sehr sehr traurig« gewesen. Der Song sei in der Pause bei einem Soundcheck aus einem »sehr emotionalen Wutausbruch« entstanden. »Diese wirre Tirade dauerte mehr als zehn Minuten, sie war weder zusammenhängend noch wirklich strukturiert, aber ich glaube, meine Mutter oder jemand anderes ging hinterher zum Tontechniker und fragte: ›Hast du das vielleicht aufgenommen?‹ Und er meinte: ›Ja, das habe ich‹«, erinnert sich Swift.
Wenn es keine Aufnahme gegeben hätte, hätte sie einfach weitergemacht und den Song gelassen. Nachdem sie sich die Aufnahme angehört hatte, hörte sie in dem Track eine »zehnminütige Katharsis intensiver Emotionen« und daraus entstand dann der fünfeinhalb minütige Song »All Too Well«, den sie 2012 veröffentlichte. Jahre später sprach Swift dann in einem Interview darüber, dass der Song ursprünglich noch länger sei, was Fans neugierig machte.
»Ich habe meine Tagebücher durchgesehen und dabei kleine Fragmente davon gefunden, aber das alte Material hatte ich nicht mehr«, sagte die Sängerin. »Also habe ich meine Schränke durchforstet, um die CD zu finden, aber ich musste zurückgehen und die Texte und so weiter wieder zusammensetzen.« Aber es gelang ihr offenbar. Swift veröffentlichte »All Too Well (10 Minute Version)« 2021 auf dem Album »Red (Taylor’s Version)«. »Es war der umfangreichste Restaurierungsprozess, den ich je bei einem Song durchgeführt habe.« Sie glaube nicht, dass sie so etwas jemals wieder erleben werde.
Taylor Swift gehört zu den erfolgreichsten Musikerinnen der Welt. Anfang des Jahres wurde sie mit nur 36 Jahren in die Hall of Fame der Songwriter aufgenommen. Nur ein Sänger war bei seiner Aufnahme jünger. Mehr dazu lesen Sie hier.