Antibiotika können das Mikrobiom im Darm schädigen – für acht Jahre

Antibiotika können die Darmflora jahrelang schädigen. Noch acht Jahre nach der Einnahme mancher Präparate sei die Vielfalt der Mikroben im Darm geringer als zuvor, schreiben Forschende im Fachjournal »Nature Medicine« . Das könne erklären, warum Antibiotika auf Dauer das Risiko für Übergewicht, Darmkrebs und Diabetes erhöhen.

In einem gesunden Darm leben rund hundert Billionen Bakterien aus mehr als 500 Arten. Dieses sogenannte Mikrobiom hilft dabei, die Nahrung zu verdauen, spielt aber auch eine wichtige Rolle bei der Immunantwort des Körpers. Antibiotika wirken nicht nur gegen krank machende Keime, sie töten bis zu einem Drittel des gesamten Darmmikrobioms. Bislang dachten Forschende allerdings, dass sich das Mikrobiom bei Gesunden danach innerhalb von zwei bis vier Wochen weitgehend erholt.

Daten von 15.000 Menschen

Ein Team um den Epidemiologen Gabriel Baldanzi von der Universität Uppsala in Schweden wertete über acht Jahre hinweg Daten zur Gesundheit von knapp 15.000 Menschen aus Schweden aus. Die Daten enthielten auch Angaben, wie oft und welche Antibiotika sie eingenommen hatten. Das Team untersuchte außerdem Kotproben der Testpersonen.

Die Forschenden analysierten den Einfluss von elf Klassen von Antibiotika. Dabei zeigte sich für sechs Klassen: Hatten die Probanden sie ein Jahr zuvor eingenommen, deuteten die Kotproben auf eine geringere Vielfalt an Darmbakterien hin. Zwar hätte sich das Darmmikrobiom anfangs schnell erholt, aber nicht vollständig, heißt es in der Studie.

Penicillin V schneidet gut ab

Selbst vier bis acht Jahre später fanden die Forschenden noch 10 bis 15 Prozent der Bakterienarten im Darm seltener als zuvor. »Schon eine einzige Therapie mit bestimmten Antibiotika kann anhaltende Spuren hinterlassen«, sagt Baldanzi in einer Pressemitteilung seiner Universität .

Die Wirkung hängt laut der Studie stark von der Klasse des Antibiotikums ab. Penicillin V, das bei leichten bis mittelschweren Infektionen eingesetzt wird, führte zu kleinen und kurz anhaltenden Veränderungen des Mikrobioms. Deutlichere Nachwirkungen verursachte Tetracyclin, das häufig etwa bei Atemwegsinfekten eingenommen wird. Am stärksten schädigten Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin den Darm; diese werden allerdings teilweise nur als Reserveantibiotikum verschrieben.

Die Studie könne dazu beitragen, dass Antibiotikaklassen künftig zielgerichteter eingesetzt werden, sagt die ebenfalls an der Studie beteiligte Epidemiologin Tove Fall. Das gelte »insbesondere dann, wenn zwischen zwei gleichermaßen wirksamen Antibiotika gewählt wird, von denen eines das Darmmikrobiom weniger stark beeinflusst«.

Neue Studien zeigen, dass Menschen mit gestörtem Mikrobiom im Alter ein größeres Risiko für geistigen Abbau und Alzheimer haben. Was dagegen helfen könnte, lesen Sie hier .

Das könnte Ihnen auch gefallen