Schachgroßmeister starb nicht an Drogencocktail, sondern an Herzrhythmusstörung
US-Medien sorgten für Aufsehen, als sie vor wenigen Tagen berichteten, US-Schachgroßmeister Daniel Naroditsky sei an einem Drogencocktail gestorben. Auch der SPIEGEL zitierte die Medienberichte. Der offizielle Report der Gerichtsmedizin im US-Bundesstaat North Carolina geht jedoch von einer anderen Todesursache aus.
Naroditsky, berühmter Schachtrainer und -kommentator, starb demnach höchstwahrscheinlich an Herzrhythmusstörungen. Die Ursache dafür soll eine Erkrankung gewesen sein. Die im Blut des 29-Jährigen nachgewiesenen Drogen könnten dem Bericht zufolge zu den Herzrhythmusstörungen beigetragen haben. Die Konzentration der Drogen im Blut sei für sich genommen aber nicht tödlich gewesen. »Es gibt keine Hinweise auf eine absichtliche oder unbeabsichtigte Überdosierung von illegalen, verschreibungspflichtigen und/oder rezeptfreien Substanzen«, schreibt Gerichtsmediziner James R. Lozano in dem Bericht.
Naroditsky war am 19. Oktober gestorben. Freunde fanden ihn leblos auf seinem Sofa in seiner Wohnung. Zuvor hatte er Schach gestreamt und dabei nervös, aufgewühlt und verzweifelt gewirkt. Die Polizei ermittelte zunächst auch wegen eines möglichen Suizids oder einer Drogenüberdosis. Die Zeitschrift »People« zitierte vor wenigen Tagen die Gerichtsmedizin, Naroditsky sei an einer »versehentlichen Vergiftung durch die Einnahme eines Drogencocktails« gestorben. Der offizielle Bericht widerspricht nun dieser Darstellung.
Tödliche Herzrhythmusstörung
Gerichtsmediziner Lozano schreibt, er habe eine äußere Untersuchung des Leichnams durchgeführt, dazu Röntgenaufnahmen sowie eine toxikologische Analyse. Auf eine Autopsie habe er verzichtet, um die Bestattung zu beschleunigen. Durch die Röntgenaufnahmen habe er kleine Knötchen an der Lunge des Verstorbenen entdeckt. Das deute stark auf eine Sarkoidose hin. Dabei handelt es sich um eine Multisystemerkrankung, die dazu führt, dass sich in Organen kleine Knötchen bilden. Wirke sich die Krankheit auf das Herz aus, könne sie zum plötzlichen Herztod führen, heißt es.
Naroditskys Tod sei plötzlich eingetreten, schreibt Lozano, es habe keine Anzeichen für eine akute Notlage gegeben. Eine tödliche Herzrhythmusstörung aufgrund einer Herzsarkoidose sei deswegen angesichts der vorliegenden Erkenntnisse die wahrscheinlichste Todesursache.
Im Blut des Verstorbenen habe er jedoch Rückstände der Drogen Methamphetamin und Kratom gefunden, so der Gerichtsmediziner. Methamphetamin sei ein starkes Stimulans, für das bei Naroditsky keine ärztliche Verschreibung vorgelegen habe. Kratom ist eine aus Südostasien stammende Pflanze, die dem Bericht zufolge zunehmend als Genussmittel verwendet wird und ebenfalls eine stimulierende Wirkung zeige. Zur medizinischen Behandlung sei sie in den USA nicht zugelassen.
Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse »bin ich der Meinung, dass die Todesursache in diesem Fall wahrscheinlich eine Herzrhythmusstörung aufgrund einer wahrscheinlichen Herzbeteiligung bei systemischer Sarkoidose ist«, schreibt der Gerichtsmediziner: »Der Konsum von Methamphetamin und Kratom (Mitragynin) hat dazu beigetragen.« Die Todesart kategorisiert er als »Unfall« ein.
Naroditsky war in der Schachszene sehr beliebt. Er zählte zu den besten Spielern der Welt, war aber vor allem als Trainer und Kommentator bekannt, Hunderttausende folgten seinen Streams auf YouTube und Twitch. In seinem letzten Lebensjahr machten ihm haltlose Betrugsverdächtigungen des ehemaligen Schachweltmeisters Wladimir Kramnik zu schaffen. Naroditsky wies die Verdächtigungen stets zurück. Naroditsky sprach in seinem letzten Stream darüber, wie sehr Kramniks Vorwürfe ihn belasteten. Nach Naroditskys Tod richtete sich die Wut der Schachwelt gegen Kramnik. Der wiederum sprach von einer »Hetzkampagne«, die sich gegen ihn richte.
Betrugsvorwürfe können Karrieren zerstören. Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik überzog zahlreiche Spieler damit. Auch Daniel Naroditsky. Eine tragische Geschichte aus der Schachwelt. Mehr dazu lesen Sie hier .