Gipfeltreffen der Harmlosigkeit
Der FC St. Pauli und der Hamburger SV haben sich im chancenarmen 113. Stadtduell 0:0 getrennt. Die Zuschauer im Millerntorstadion sahen eine umkämpfte Partie, in der es kein Team schaffte, eine spielerische Druckphase aufzubauen. Der FC St. Pauli verpasste damit einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf.
Mit dem Punkt verbesserte sich der HSV auf Platz 13 in der Tabelle. St. Pauli springt zumindest über Nacht auf den Relegationsplatz, kann jedoch von Mainz und Heidenheim am Samstag wieder auf den letzten Tabellenplatz durchgereicht werden.
Die Hinrundenpartie hatten die Kiezkicker nach einer spielerisch klar überlegenen Vorstellung im Volkspark mit 2:0 für sich entschieden. Seitdem entwickelten sich jedoch die Saisonverläufe beider Klubs deutlich auseinander: Während St. Pauli seit dem Derbysieg nur acht Punkte sammelte und in die Krise stürzte, stabilisierte sich der HSV – nicht zuletzt dank der Transfers von Albert Sambi Lokonga, Fabio Vieira und Luka Vušković.
Mit einem Foul acht Sekunden nach dem Anpfiff setzten die Hausherren ein erstes Derby-Zeichen. Kurz darauf sah St. Paulis Adam Dźwigała für ein hartes Einsteigen gegen Alexander Rössing-Lelesiit die erste Gelbe Karte (7.). Der HSV-Angreifer musste wenig später verletzt ausgewechselt werden, Fabio Baldé ersetzte ihn. Mit Fouls im Minutentakt ging es weiter. Ein falsch ausgeführter Einwurf von St. Paulis Arkadiusz Pyrka stand sinnbildlich für die Qualität des ersten Spielabschnitts.
Insgesamt wurde deutlich, warum St. Pauli mit 16 Toren die schwächste Offensive der Liga stellt und der HSV mit 17 Treffern nur knapp davor liegt. Zwar hatten die Rothosen – diesmal in weißen Hosen unterwegs – über weite Strecken der ersten Hälfte mehr Spielanteile, doch gefährlich wurde es kaum. Die Abschlüsse von Bakery Jatta (23.) und Damion Downs (37.) zählten wegen Abseits nicht, sodass der eingewechselte Baldé (45.+4) mit einem harmlosen Schuss in die Arme von Nikola Vasilj den einzigen offiziellen Torschuss der ersten Halbzeit verbuchte.
Nach einer wegen Pyrotechnik verlängerten Halbzeitpause war es wieder der HSV, der überhaupt in die Nähe eines Führungstreffers kam. Die beste Gelegenheit hatte nach einer Ecke Vušković (54.) per Kopfball, den Vasilj abwehrte.
Die Mannschaft von Alexander Blessin rückte fortan auch mit mehr Spielern in die HSV-Hälfte vor und brachte neben Danel Sinani auch Kapitän Jackson Irvine (65.) in die Partie, der sich nach Problemen an seinem operierten linken Fuß schneller als erwartet zurückmeldete. Zehn Minuten vor Schluss drückte die Heimmannschaft auf den Lucky Punch. Erst scheiterte Sinani (80.) mit einem Schuss ins lange Eck an Daniel Heuer Fernandes, dann lenkte der HSV-Torwart einen Distanzschuss von Pyrka über die Latte (82.).
Es blieb bei der Nullnummer, die immerhin einen neuen Bundesligabestwert zu bieten hatte. Auf Seiten St. Paulis kürte sich Ricky-Jade-Jones mit 36,1 Kilometer pro Stunde zum bisher schnellsten Spieler der Saison.
Für St. Pauli steht am Dienstag das Nachholspiel gegen RB Leipzig an. Der HSV empfängt nächste Woche Samstag den bis dato ungeschlagenen FC Bayern München.
Choreografie vom FC St. Pauli vor dem Anpfiff
Foto: Beautiful Sports / Tonhäuser / IMAGO