Claudia Roth wünscht sich mehr Trainerinnen in der Männer-Bundesliga

Wenn am kommenden Samstag der 1. FC Union Berlin die Mannschaft vom VfL Wolfsburg im heimischen Stadion empfängt, wird das ein historischer Tag im deutschen Sport sein. Erstmals in der 63-jährigen Geschichte der Männer-Bundesliga wird mit Marie-Louise Eta eine Frau als Cheftrainerin an der Seitenlinie stehen.

Die frühere Bundestagsvizepräsidentin und Kulturstaatsministerin Claudia Roth betont nun die Vorbildfunktion von Eta und Union Berlin: Sie wünsche sich, dass mehr Bundesliga-Vereine der Männer dem Beispiel folgen. »Das Geschlecht darf bei der Besetzung solcher Posten keine Rolle spielen, in der Bundesliga wie in jedem anderen Bereich«, sagte Roth dem SPIEGEL.

Frauen bewiesen »seit Jahrzehnten, dass sie als Führungskräfte mindestens genauso gut geeignet sind wie Männer«, so die Grünen-Bundestagsabgeordnete, die auch Vizevorsitzende des Kuratoriums der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist.

Der toxische Umgang, der im Profifußball leider noch immer herrsche, würde durch weibliche Führungskräfte vielleicht endlich zurückgehen: »Das wäre ein Gewinn für den Profifußball«, so Roth. Die 70-Jährige ist bekennender Fußballfan, seit rund 20 Jahren Mitglied des FC Augsburg.

Die 34-jährige Eta arbeitet bis Sommer als Interimstrainerin der Männermannschaft des 1. FC Union Berlin und soll den Klassenerhalt sichern, nachdem sich der Verein am vergangenen Wochenende von Vorgänger Steffen Baumgart getrennt hat. Eta soll im Sommer Trainerin der Bundesliga-Mannschaft der Frauen von Union Berlin werden, das ist seit Längerem die Planung.

Bereits vor zwei Jahren ist Marie-Louise Eta bei der Männermannschaft eingesprungen. Damals bewahrte sie Union als Co-Trainerin vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit. Eta gilt als versierte und geschätzte Trainerin, doch insbesondere in den sozialen Medien gibt es seit Tagen neben Lob und Respekt frauenfeindliche Angriffe und hetzerische Kommentare.

Grünenpolitikerin Roth lobte den Umgang der Vereinsführung mit den verbalen Angriffen im Netz. »Union Berlin macht aktuell wirklich alles richtig, indem sich die Verantwortlichen und der Verein öffentlich hinter sie stellen und das Verhalten dieser sogenannten Fans klar verurteilen.« Der Verein zeige damit Haltung, die bei so einer Verpflichtung essenziell sei und eigentlich auch selbstverständlich sein sollte.

Marie-Louise Eta sei »eine ausgewiesene Fußballfachfrau«, die alle Voraussetzungen mitbringe, an denen auch männliche Kollegen gemessen würden, so Roth. »Genau dieses Bewusstsein um die eigene Kompetenz ist ein wichtiger Schutzschild gegen Häme und Hetze.« Dazu sei der Rückhalt aus dem Umfeld enorm wichtig.

Die Berufung Etas durch den 1. FC Union, so hofft Roth, könnte innerhalb des DFB den Kulturwandel befördern, etwa mit Blick auf die Nationalmannschaft der Männer: »In Zukunft ist eine Cheftrainerin oder Sportdirektorin auch beim DFB sicher eine sehr gute Möglichkeit, die Zeichen der Zeit sind klar und wir leben im 21. und nicht mehr im 19. Jahrhundert.«

Dass die Welt des Männer-Fußballs noch lange nicht auf der Höhe der Zeit ist, zeigt sich aus Sicht der Grünen trotz der historischen Trainerentscheidung noch in anderen Bereichen. Es sei ein »Wahnsinn«, so Roth, »was für Debatten wir immer noch führen, wenn eine Frau ein Spiel in der Ersten Bundesliga pfeift oder ein WM-Spiel kommentiert«.

Union-Trainerin Eta: »Gewinn für den Profifußball«

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Annegret Hilse / REUTERS

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