Von der Ukraine lernen
Die Kriege der Gegenwart und der Zukunft
Wolodymyr Selenskyj war zuletzt oft in der unglücklichen Lage, im Ausland wie ein Bittsteller auftreten zu müssen. Regelmäßig sprach der ukrainische Präsident irgendwo in der Welt vor, um Hilfe für sein vom Krieg gebeuteltes Land einzutreiben (mehr dazu hier ). Im Irankrieg kommt ihm plötzlich eine neue Rolle zu – die des Lehrmeisters.
Seit mehr als vier Jahren terrorisiert Russland Städte in der Ukraine mit Drohnen- und Raketenangriffen. Die Ukraine hat in dieser Zeit notgedrungen Fähigkeiten zur Flugabwehr entwickelt wie kaum ein anderes Land. Es liegt deshalb nahe, dass Staaten am Golf jetzt, da sie unter Beschuss durch Iran geraten, ukrainische Expertise abfragen. Selenskyj hat in den vergangenen Tagen gleich mit drei Golfstaaten Sicherheitsabkommen geschlossen, mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (mehr dazu hier).
Die Eskalation in Nahost könnte jedoch auch für die Europäer Anlass sein, ihren Blick auf die Führung in Kyjiw anzupassen. Bei einigen EU-Staaten hatte man zuletzt das Gefühl, dass sie die Ukraine und ihre Belange in erster Linie als Belastung wahrnehmen. Tatsächlich aber ist die Ukraine ein Garant für Europas Sicherheit. Der Konflikt mit Iran verdeutlicht einmal mehr, wie sehr Drohnen die moderne Kriegsführung prägen. Wenn Europa für diese Ära gerüstet sein will, geht das am ehesten in enger Zusammenarbeit mit der Regierung in Kyjiw.
Mehr Hintergründe hier: Die Ukraine zeigt der Welt, wie man Häfen im Krieg betreibt
Söders Eskapismus
Es gab Zeiten, da kamen Auslandsreisen von Markus Söder einem Statement gleich: Wenn der bayerische Ministerpräsident beispielsweise in China Premier Li Qiang traf, dann schwang da unterschwellig die Botschaft mit, dass sich dieser Mann eigentlich zu Höherem berufen fühlt als zur Landespolitik.
Dieses Mal ist das anders. Söder ist gerade in den USA unterwegs, heute will er ein BMW-Werk in South Carolina besuchen. Doch insgesamt wirkt der Trip eher wie eine Flucht vor den schlechten Nachrichten in der Heimat (mehr dazu hier ).
Bei den Kommunalwahlen in Bayern am vorvergangenen Wochenende musste die CSU gleich eine Reihe von Niederlagen hinnehmen, unter anderem in Augsburg und Regensburg. Die Landeshauptstadt München wird fortan von einem Grünen regiert (mehr dazu hier ). Dass Söder noch einmal Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur anmelden könnte wie 2021, damit rechnet kaum noch jemand. Stattdessen würden ihn wohl auch manche in der eigenen Partei gern loswerden, wie meine Kollegin Anna Clauß analysiert: »Die Ära von Markus Söder als Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef neigt sich erkennbar dem Ende entgegen.«
Mehr Hintergründe hier: Das ist der Anfang vom Ende der Ära Söder
Wann kommt auch in Deutschland ein Social-Media-Verbot für Kinder?
Die Beleglage ist seit Jahren erdrückend: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in etlichen Studien nachgewiesen, welche Schäden soziale Medien insbesondere bei Kindern und Jugendlichen anrichten können. Gerade erst hat ein US-Gericht den Konzern Meta, zu dem unter anderem Facebook und Instagram gehören, wegen Mängeln beim Kinderschutz zu umgerechnet rund 323 Millionen Euro Strafe verurteilt (mehr dazu hier).
Die Politik aber reagiert nur sehr langsam auf das Problem. Australien hat vergangenen Dezember einen Anfang gemacht, indem es Nutzern unter 16 Jahren eigene Konten auf Plattformen wie Instagram oder TikTok untersagt hat (mehr dazu hier ). Unter anderem Frankreich könnte schon bald dem Beispiel folgen. Die französische Nationalversammlung stimmte bereits Ende Januar für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren. An diesem Dienstag debattiert der Senat den Gesetzesvorschlag.
Die öffentliche Unterstützung für entsprechende Vorhaben ist über Landes- und Parteigrenzen hinweg groß. Laut einer Ipsos-Umfrage waren in Frankreich im Jahr 2025 85 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Social-Media-Altersbeschränkung, in den Niederlanden 71 Prozent, in den USA 63 Prozent. In Deutschland waren es 53 Prozent, das sind immerhin 14 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Weshalb sich auch hierzulande die Frage stellt, wann ein Verbot kommt.
Mehr Hintergründe hier: Wir sollten soziale Medien wie Drogen behandeln
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Gewinnerin des Tages…
…ist die iranisch-amerikanische Autorin und Feministin Masih Alinejad, die sich für die Freiheit von Bürgerinnen und Bürgern in Iran eingesetzt hat, lange bevor Donald Trump das Thema für sich erkannt hat.
Alinejad gehörte zu einer der wichtigsten Stimmen der »Frau, Leben, Freiheit«-Bewegung 2022 und wird auch jetzt nicht müde, auf das Schicksal der Iranerinnen und Iraner hinzuweisen, die von Krieg und dem eigenen Terrorregime zugleich bedroht werden. Heute erhält sie für ihr Engagement den Europäischen Paulskirchenpreis für Demokratie.
Mehr zum Thema: Wie der Krieg die Hoffnung auf Freiheit in Iran zerstört
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Wolf beißt Frau in Hamburg – und muss aus Alster gezogen werden: Eine Frau ist im Hamburger Bezirk Altona von einem Wolf verletzt worden. Die Polizei rückte an und holte das Tier am Abend aus dem Wasser der Binnenalster. Seine Zukunft ist noch ungewiss.
Florida benennt internationalen Flughafen nach Donald Trump um: Der Palm Beach International Airport soll einen neuen Namen bekommen, das hat der Gouverneur des Bundesstaates Florida jetzt abgesegnet. Die neue Bezeichnung dürfte dem US-Präsidenten gefallen.
Angriff auf US-Synagoge war laut FBI von Hisbollah »inspiriert«: Die Attacke auf ein jüdisches Gotteshaus im US-Staat Michigan hat nach Angaben des FBI einen antisemitischen Hintergrund: Der Täter war demnach der Hisbollah zugeneigt – und hatte vor dem Angriff eine klare Botschaft verbreitet.
Heute bei SPIEGEL Extra: Wann Jugendlichen im Gym tatsächlich Verletzungen drohen – und was bloße Mythen sind
Drei 14-jährige Jungs im Fitnessstudio: Sie trainieren nach Testosteron und nicht nach Plan. Sportwissenschaftler erklären: Sollten Eltern ihre Kinder auch dann ins Gym lassen, wenn sie sich schaden könnten?
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Maximilian Popp, stellvertretender Ressortleiter Ausland
Staatschef Selenskyj in Saudi-Arabien: Gefragte Expertise
Foto: Ukrainian Presidential Press Office / dpaCSU-Chef Söder in Texas (am 29. März): Flucht vor schlechten Nachrichten
Foto: Sven Hoppe / dpaMeta-Chef Mark Zuckerberg: 323 Millionen Euro Strafe
Foto: Tasos Katopodis / EPAAktivistin Alinejad: Kampf für Freiheit
Foto: ED JONES / AFPSolStock / Getty Images