CNN-Gründer Ted Turner ist tot

Robert Edward Turner III, kurz Ted Turner, gründete 1980 den Nachrichtensender CNN und veränderte damit das Fernsehgeschäft weltweit. Am Mittwoch ist der Medienunternehmer im Alter von 87 Jahren gestorben, wie CNN meldete . Der Sender würdigte Turner als »Pionier des Kabelfernsehens«, der mit Nachrichten rund um die Uhr »die Fernsehberichterstattung revolutioniert« habe. »Ted ist der Riese, auf dessen Schultern wir stehen«, erklärte CNN-Chef Mark Thompson.

Ted Turner kam 1938 in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio zur Welt. Er wuchs in Savannah, Georgia auf, war begeisterter Segler und träumte von einer Karriere an der Marineakademie. Doch auf Druck seines Vaters studierte er Ökonomie.

Sein Vater nahm sich 1963 das Leben, woraufhin Ted Turner dessen Werbeagentur übernahm. 1970 kaufte Turner in Atlanta Channel 17, den kleinsten kommerziellen Fernsehsender der Region. Ende 1976 expandierte er mit der WTBS-SuperStation, deren Programm per Satellit landesweit in Kabelfernsehnetze übertragen wurde. Dieser Schritt machte Turner zum Pionier des Kabelfernsehens (»King of Cable«). Zum Erfolg verhalf ihm auch der Kauf der Profi-Sportclubs Atlanta Hawks (Basketball) und Atlanta Braves (Baseball), deren Spiele er auf der SuperStation übertrug. 1979 benannte er den Sender in Turner Broadcasting System (TBS) um, bündelte dort fortan als Holding alle weiteren Turner-Sender und leitete TBS bis 1996 als Verwaltungsratschef und Präsident.

Indem Turner die Marktlücke für einen reinen Nachrichtensender entdeckte, trat er in direkten Wettbewerb mit den drei dominierenden US-TV-Kanälen (ABC, NBC, CBS). Im Juni 1980 ging der Kanal Cable Network News (CNN) als TBS-Kabeltochter auf Sendung und profilierte sich bald marktführend mit Nachrichten, Sportmeldungen und Wetterberichten. Mit CNN prägte Turner ein neues Nachrichtenverständnis, da er durch Liveberichte die Zuschauer zu Zeugen der Ereignisse machen wollte. CNN war der erste Kanal, der 24 Stunden am Tag Nachrichten sendete.

Für einen US-Sender bemerkenswert war die frühe internationale Ausrichtung mit Gründung von CNN international in Ergänzung zu dem auf die USA ausgerichteten Kanal CNN Headline News. Zu seinem Fernsehimperium gehörten daneben unter anderem die Sport- und Unterhaltungssender TBS und TNT, der Kinofilmsender Turner Classic Movies und der Zeichentricksender Cartoon Network.

Schon 1985 versuchte Turner den Konkurrenten CBS zu übernehmen. Der Versuch misslang, dafür übernahm er 1986 das Hollywoodstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Dabei übernahm er sich jedoch finanziell und musste das Unternehmen weiterverkaufen, behielt aber die MGM-Filmbibliothek für seine Sender.

1995 fusionierte Turner sein Fernsehunternehmen mit Time Warner. In dem Konzern, der später auch noch mit AOL zusammenging, sah sich Turner zunehmend an den Rand gedrängt. Er habe einen Fehler gemacht, bekannte Turner rückblickend, »den Fehler, dass ich die Kontrolle über die Firma verloren habe«.

Nach einer ersten geschiedenen Ehe mit Judy Nye war Turner 1965 bis zur Trennung 1988 mit Jane S. Smith verheiratet. Aus diesen Ehen stammen drei Söhne und zwei Töchter. 1991 heiratete er die sozial und für die Umwelt engagierte Oscarpreisträgerin Jane Fonda. 2000 folgte die Trennung, 2001 die Scheidung. Privat schätzt er Fischen und Segeln. Wegen seiner oftmals undiplomatischen Art wurde er »Mouth of the South« genannt. So verglich er etwa seinen Widersacher Rupert Murdoch mit Adolf Hitler.

Als Hobby lebte Turner seine Leidenschaft für das Segeln aus. So gewann er 1977 den Admiral's Cup, eine begehrte Seglertrophäe, und 1979 das Fastnet Race. Einen Teil seines Vermögens, das laut »Forbes« 2012 rund zwei Milliarden US-Dollar betrug, nutzte Turner zur Förderung von Umweltprojekten. Außerdem engagierte er sich für atomare Abrüstung und die Förderung alternativer Energien.

2018, kurz vor seinem 80. Geburtstag, hatte Turner öffentlich gemacht, dass er an der Lewy-Körperchen-Demenz erkrankt sei, einer fortschreitenden neurodegenerativen Krankheit. Ted Turner sei in seinem Haus in der Nähe der Stadt Tallahassee im US-Bundesstaat Florida gestorben, berichtete die »New York Times« unter Berufung auf einen Sprecher der Familie.

Medienunternehmer Turner (1985): »The Mouth of the South«

Foto: ZUMA Press / IMAGO

Ex-Ehepartner Fonda und Turner (2013)

Foto: Jason DeCrow / FR103966 AP / AP / dpa

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