Castor-Behälter rollen durch Nordrhein-Westfalen

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in Nordrhein-Westfalen einer der größten Atommüll-Transporte seit Jahrzehnten begonnen. Ein erster Schwerlasttransporter mit einem Castor-Behälter verließ das Gelände des ehemaligen Versuchsreaktors in Jülich und machte sich auf den Weg zum Zwischenlager im münsterländischen Ahaus.

Begleitet wird der Konvoi von einem Großaufgebot der Polizei – und von lautstarken Protesten entlang der Strecke. Nach Angaben der Behörden sind rund 2.400 Polizeikräfte im Einsatz.

Dutzende Einsatzfahrzeuge sichern den Transport, der über eine Strecke von rund 170 Kilometern führt. Die genaue Route wurde aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Zeitweise kommt es zu Sperrungen von Autobahnabschnitten, unter anderem auf der A44, wo ein Überholen des Schwertransports nicht möglich ist.

Schon zum Start des Transports versammelten sich Protestierende in Jülich sowie entlang möglicher Routen. Immer wieder kam es zu kleineren Blockadeversuchen und Kundgebungen, die jedoch von der Polizei aufgelöst werden. Die Umweltorganisation BUND hatte zuvor versucht, die Transporte gerichtlich zu stoppen – ohne Erfolg. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied Anfang März in einem Eilverfahren, dass die Transporte stattfinden dürfen.

Der aktuelle Konvoi ist nur der Auftakt einer ganzen Serie: Insgesamt sollen 152 Castor-Behälter mit rund 300.000 Brennelemente-Kugeln von Jülich nach Ahaus gebracht werden. Dafür stehen lediglich wenige Spezialfahrzeuge zur Verfügung, die jeweils nur einen Behälter transportieren können. Die Aktion dürfte sich daher über einen längeren Zeitraum ziehen.

Der Hintergrund: Die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager in Jülich ist bereits 2013 ausgelaufen. Weil die Erdbebensicherheit nicht ausreichend nachgewiesen werden konnte, ordnete das Land Nordrhein-Westfalen 2014 die Räumung an. Ein Neubau vor Ort wurde verworfen – stattdessen fiel die Entscheidung zugunsten einer Verlagerung nach Ahaus.

Auch seitens der Polizei stößt der Einsatz auf Kritik. Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichneten die Transporte bereits im Vorfeld als »sinnlose Mammutaufgabe«. Der enorme Personalaufwand sei auch Folge einer ungelösten Grundsatzfrage: Deutschland verfügt weiterhin über kein Endlager für hochradioaktiven Müll.

Stattdessen wird der Atommüll derzeit in Zwischenlagern aufbewahrt – wie jenem in Ahaus. Für viele der Demonstrierenden ist genau das der Kern des Problems. Sie kündigten bereits weitere Proteste gegen die kommenden Transporte an.

Demonstration gegen die Castor-Transporte in Bottrop

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Henning Kaiser / dpa

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