Wenn der Krankentransport 127 Tage dauert

1. Läuft wie geschmiert

Jahrzehntelang waren Rüstungskonzerne die Schmuddelkinder der deutschen Industrie. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat das verändert. Plötzlich jonglierten selbst langjährige Friedensbewegte mit Produktnamen wie »Panzerhaubitze 2000« oder investierten in Defense-ETFs (mehr dazu hier ).

Eher ins alte Bild der Waffenschmieden passt, was meine Kolleginnen Sara Wess und Friederike Röhreke und mein Kollege Sven Becker recherchiert haben. Demnach sollen bei einem Panzergeschäft des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann mit Katar millionenschwere Provisionen geflossen sein. »Neue Dokumente, darunter Gerichtsunterlagen und Handelsregisterauszüge, verstärken den Korruptionsverdacht«, schreiben Sara, Friederike und Sven.

Im Zentrum des Skandals steht der ehemalige katarische Geheimdienstgeneral Ahmed bin Nasser Al Thani. Er spielte eine entscheidende Rolle beim Verkauf von 62 Leopard-2-Panzern und 24 Panzerhaubitzen 2000 im Wert von 1,89 Milliarden Euro an das Emirat. Besonders pikant: Al Thani unterhält beste Kontakte nach Moskau.

  • Lesen Sie hier mehr: Neue Hinweise auf Schmiergelder nach Katar 

2. Es bleibt heiß, Baby

Das Sturmtief »Elli« hat Norddeutschland zum ersten Mal seit 2010 so etwas wie einen knackigen Winter beschert . Und Sie glauben nicht, wie oft ich in diesen Tagen ein hoffnungsvolles »Vielleicht ist die Klimakrise doch nicht so schlimm?« gehört habe.

Ähnliche Reaktionen dürfte der Artikel meines Kollegen Marco Evers hervorrufen. Er hat sich mit den Temperaturprognosen britischer Forscher für das Jahr 2026 beschäftigt. Die Analysen der Wissenschaftler waren bislang immer erstaunlich treffsicher. Für 2026 sagen sie voraus, dass es wohl kühler wird als das Rekordjahr 2024. »Die Experten um den Physiker Adam Scaife gehen von einer Erwärmung um 1,46 Grad aus«, schreibt Marco. Auch das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad könne noch einmal halten.

Kein neuer Rekord – ich sehe schon kommen, wie das umgedeutet wird. Dabei darf man sich keine Illusionen darüber machen, wohin die Entwicklung geht. Auch 2026 werde es wieder zu regionalen Wetterkatastrophen kommen, zu Hitzewellen, Dürren, Flächenbränden, Starkregen, Überschwemmungen und Missernten, schreibt Marco. Und kommt es so wie berechnet, würde 2026 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Messungen.

  • Welche Rolle dabei das menschengemachte CO₂ spielt und welchen Einfluss El Niño hat, lesen Sie hier .

3. Kein Arzt an Bord?

»Star Trek«-Fans wissen: Ohne die Bordärzte von »Enterprise«, »Voyager« und »Deep Space Nine« wären die ganzen schönen Abenteuer in den unendlichen Weiten des Weltalls kaum denkbar. Die Mediziner oder entsprechende Hologramme kümmern sich um Zipperlein und seelische Leiden genauso, wie sie bösartige Alien-Viren ausrotten, die in der Crew grassieren.

Die Internationale Raumstation verfügt über diesen Luxus nicht. Und so musste zum ersten Mal in der Geschichte der bemannten Raumfahrt die Nasa eine Besatzung wegen eines medizinischen Notfalls zur Erde zurückfliegen. Heute Morgen landete die Crew in einer »Dragon«-Kapsel sicher wieder auf der Erde.

»Wer betroffen ist, um welches Leiden es geht, dazu gibt es auch Tage nach Bekanntwerden der Probleme keine Auskunft. So soll die Privatsphäre der betreffenden Person geschützt werden«, schreibt mein Kollege Christoph Seidler.

Er hat die Krankenakten bisheriger Missionen analysiert und kommt zu dem Schluss: »Die Liste möglicher Notfälle ist lang. Dass es 25 Jahre bis zum ersten Fall gedauert hat, das ist die eigentliche Überraschung.«

Künftig geplante Abenteuer wie etwa Flüge zum Mars sollten lieber nicht darauf vertrauen, dass die Glückssträhne anhält. Eine zügige Rückkehr wie von der ISS ist dann nicht möglich. Wenn es also künftig heißen soll »To boldly go…«, ist vielleicht doch ein Mediziner an Bord. Ob Mensch oder Roboter – das wird die Zukunft zeigen.

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Crew mit angeschlagenem Astronauten ist zurück auf der Erde 

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Erste Soldaten aus Nato-Ländern in Grönland: Streitkräfte aus Frankreich sind in Nuuk eingetroffen, weitere Armeeangehörige von Nato-Verbündeten folgen in den kommenden Tagen. Die 13 deutschen Soldaten für die Erkundungsmission sollen morgen aus Dänemark anreisen.

  • Experten erwarten nur ein Strohfeuer für die Konjunktur: Minimales Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr 2025, die in Aussicht stehende Besserung wenig nachhaltig. Ökonomen reagieren ernüchtert auf den Konjunkturbericht des Statistischen Bundesamts.

  • Deutschlandweit fehlen Blutspenden: Bei manchen Blutgruppen reichen die Vorräte nur noch für 1,5 statt für vier Tage aus: Die Blutkonserven in Deutschland werden knapp, berichtet das Rote Kreuz. Dafür gibt es mehrere Gründe.

  • Deutsche Teilung kein Pflichtstoff mehr in Berlins gymnasialen Oberstufen: DDR und Mauerfall sind an Berliner Schulen künftig nur noch in der Mittelstufe Pflichtstoff, nicht mehr in der gymnasialen Oberstufe. In einem Brief an die Bildungssenatorin äußern Geschichtslehrer »erhebliche Sorge«.

Meine Lieblingsgeschichte: Ocean’s Gelsenkirchen

Wer hätte gedacht, dass Deutschland mal Schauplatz eines Heist-Movies à la »Ocean’s Eleven« werden würde? Leider war der Einbruch in Gelsenkirchen, bei dem Diebe 3000 Bankschließfächer knackten, nicht fiktional, sondern real.

Meine Kollegen Lukas Eberle und Tobias Großekemper haben den Tathergang rekonstruiert. Die Täter verschafften sich mit einer speziellen Chipkarte Zugang zum neben der Bank liegenden Parkhaus. Die Bewegungsmelder wurden außer Gefecht gesetzt und eine Tür der Bank, die eigentlich nur von innen geöffnet werden kann, manipuliert. Die bisher bekannten Details klingen filmreif.

Lukas und Tobias haben mit Ermittlern gesprochen, aber auch Betroffene besucht. Sie sind erschüttert, haben teils ihre ganzen Ersparnisse verloren. »Die Tat ist zum Politikum geworden. Und zum Symbol für etwas, das größer ist als das Verbrechen: für das Gefühl, dass Sicherheitsversprechen hohl sind, dass Institutionen versagen, dass am Ende niemand zur Rechenschaft gezogen wird«, schreiben die beiden.

Die Polizei tappt bislang weitgehend im Dunkeln, über die Täter ist nichts bekannt. Nur eins ist klar: Bei aller Bewunderung für die planerische Raffinesse und die Chuzpe der Panzerknacker – so gewitzt und charmant wie die Crew aus den »Ocean’s«-Filmen sind sie garantiert nicht.

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Wie die Täter 3000 Schließfächer knackten – und niemand etwas merkte 

Was heute weniger wichtig ist

Keine Sachen mit Drachen mehr machen: Emilia Clarke, 39, hat die Nase voll von Fantasy, sagte sie der »New York Times«. Sie hatte in der Serie »Game of Thrones« lange die Drachenkönigin Daenerys Targaryen, auch »Mutter der Drachen« genannt, gespielt. Clarke sagt, sie habe gar keine Zeit gehabt, über die Erfahrung nachzudenken. Erst nach der Serie, während der Pandemie, habe sie sich damit beschäftigt, was sie sich von ihrem Berufsleben wünsche. Nun habe sie Klarheit gefunden: »Es ist höchst unwahrscheinlich, dass man mich jemals wieder auf einem Drachen reiten oder auch nur mit einem Drachen im Bild sehen wird.«

Mini-Hohl

Hier finden Sie den ganzen Hohl.

Niedersachsen nimmt das schriftliche Dividieren vom Lehrplan

Und heute Abend?

Könnten Sie sich die zweite Staffel von »Hijack« anschauen, wobei ich Ihnen das nur eingeschränkt empfehlen mag, dazu später mehr, erst mal die Fakten.

In der ersten Staffel wurde das Flugzeug von Verhandlungsspezialist Sam Nelson (Idris Elba) entführt, im zweiten Anlauf wird eine Berliner U-Bahn gekapert. Die Serie bedient sich dabei ungeniert beim in New York angesiedelten »Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123« aus dem Jahr 1974 mit Walter Matthau. »Die Berliner U-Bahn-Züge rumpeln noch so klobig über die Gleise wie die im New York der Siebzigerjahre, Menschen geraten in den engen Abteilen in Panik, per Funkverbindung versuchen Polizei und U-Bahn-Leitung, der Situation Herr zu werden«, schreibt mein Kollege Oliver Kaever.

Oliver findet bei dieser Serie schwach, was wiederum mein Kollege Lars-Olav Beier Serien grundsätzlich attestiert: dass sie Handlung nicht verdichten, sondern unnötig in die Länge ziehen, um die Folgen zu füllen (lesen Sie hier seine Abrechnung ). »Die Macher von ›Hijack‹ verzögern die Handlung geradezu exzessiv. Aber auch einige effektive Cliffhanger täuschen nicht darüber hinweg, dass hier doch sehr viel heiße Luft durch die U-Bahn-Tunnel weht«, schreibt Oli.

Die Serie eignet sich deswegen womöglich vor allem für Menschen, die oft Bahn fahren – als Ertüchtigung, um unterhaltsam die Geduld zu trainieren. (Lesen Sie hier die ganze Rezension. )

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

Leopard-2-Panzer von KNDS, ehemals Krauss-Maffei Wegmann, bei einer Militärparade in Doha (2017): »Langjährige, professionelle Zusammenarbeit«

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Brighton Beach im australischen Melbourne am 7. Januar 2026: Jedes Zehntelgrad Hitze bringt tödliche Risiken

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Splashdown im Pazifik: Bergungsschiffe nähern sich der SpaceX-Crew-11-Kapsel, um die Besatzungsmitglieder an Bord zu nehmen

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Foto: Christoph Reichwein / dpa
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Francois G. Durand / Getty Images

Schild nahe der Kirche in Vossenack (NRW)

»He, du solltest den Kuchen doch teilen!« – »Ich weiß nicht, wie das geht!« Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Leonard Riegel / DER SPIEGEL

Sam (Idris Elba) entführt eine U-Bahn: Ist er nun selbst der Bösewicht?

Foto:

Kevin Baker / Apple TV+

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