Vance sein muss
1. Möglicherweise muss Vance in den USA bleiben, weil sein Chef reist
In kitschigen Liebesgeschichten und Kinofilmen ist es eine feste Regel, dass aus Feinden im Handumdrehen feurige Liebende werden können, in der Politik ist das Handlungsmuster »Enemies to lovers« eher selten. Der Vizepräsident der USA hat seinen jetzigen Chef noch vor ein paar Jahren mit derben Schimpfworten bedacht und dessen Auftreten und Pläne zum Beispiel im Jahr 2018 »unmoralisch und absurd« genannt. In der Gegenwart sind JD Vance und Donald Trump sich sehr zugetan und politisch engste Verbündete. Heute wurde bekannt, dass Vance nach seinem Polterauftritt im Vorjahr diesmal nicht zur Münchner Sicherheitskonferenz reisen will. Er überlässt den Termin im Februar dem US-Außenminister Marco Rubio (hier mehr dazu ).
Vance gilt als einflussreicher Vordenker und Einflüsterer Trumps. In München hatte er im vergangenen Februar die europäischen Verbündeten gewarnt, dass in ihren Ländern die Meinungsfreiheit in Gefahr sei – statt über die Gefahr etwa durch Russland zu sprechen. Nach seinem Auftritt traf sich Vance in einem Hotel mit AfD-Chefin Alice Weidel.
Warum Vance in diesem Jahr nicht nach München kommt, ist nicht ganz klar. Möglicherweise muss er zur Zeit der Konferenz in den USA sein, weil sein Chef Trump eine Auslandsreise plant. In diesem Fall ist der Vizepräsident verpflichtet, die Amtsgeschäfte zu übernehmen und auf US-Gebiet zu bleiben.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Nach Polterauftritt im Vorjahr – US-Vizepräsident Vance kommt diesmal nicht nach München
2. Für die neue Förderung braucht die Regierung etwas mehr Zeit – eine peinliche Panne
Die Deutschen sind international bekannt als Autonärrinnen und Autonarren, kaufen aber nach Meinung der Bundesregierung zu wenige Elektrofahrzeuge. Der Anteil reiner Elektroautos an allen Neuzulassungen lag im vergangenen Jahr bei gut 19 Prozent. Die Regierung wollte eigentlich heute neue Kaufanreize verkünden, mit Kaufprämien für kleine und mittlere Einkommen. Am Morgen ist der Termin kurzfristig verschoben worden, man wolle »letzte Detailabstimmungen vornehmen«, teilte das Umweltministerium mit (hier mehr).
Angeblich sollen die Fördermittel für geschätzt 800.000 Fahrzeuge in den nächsten drei bis vier Jahren reichen, die Prämie wird wohl rückwirkend für E-Autos gelten, die seit dem Jahreswechsel neu zugelassen wurden. Noch diskutiert wird wohl unter anderem darüber, in welchem Umfang sogenannte Plug-in-Hybride gefördert werden, Fahrzeuge, die sowohl batteriebetrieben als auch mit Treibstoff fahren können.
»2025 kauften die Deutschen so viele neue E-Autos wie noch nie, und jetzt sollen es mit neuen Fördermilliarden noch mehr werden«, sagt mein Kollege Arvid Haitsch. »Doch die Bundesregierung verunsichert Interessenten immer wieder neu.« Umweltminister Carsten Schneider habe Gering- bis Mittelverdienern versichert, sie könnten jetzt ein Elektroauto kaufen und mit einem nachträglichen Zuschuss rechnen. »In Grundzügen ist der Plan der schwarz-roten Koalition seit Dezember bekannt, nur noch im Detail fehlten die genauen Bedingungen. Dass man dafür noch ein Wochenende Bedenkzeit braucht, ist eine peinliche Kommunikationspanne.«
Lesen Sie hier mehr: Regierung bei Details zur Elektroauto-Förderung doch noch uneins
3. Kai Wegner gibt sich derzeit viel Mühe, sich unbeliebt zu machen
Die Berlinerinnen und Berliner gelten als schroffer Menschenschlag, benehmen sich aber oft erstaunlich freundlich gegenüber ihren Mitmenschen. Seit 2019 rufen die Bezirke die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt dazu auf, Kaffeepäckchen zur Unterstützung der Kältehilfe zu spenden. Jeder Bezirk, der es schaffte, mindestens 500 solcher Päckchen zu sammeln, erhielt von dem Berliner Einzelhändler Michael Lind und mehreren Partnern 2500 Euro zusätzlich für die Kältehilfe im jeweiligen Bezirk. Berlins Regierender Bürgermeister Wegner will die Aktion aber nun stoppen (mehr hier dazu ).
Offenbar hat er Bedenken wegen der Beteiligung der Privatwirtschaft, die Bezirksämter seien über den »Verdacht auf Käuflichkeit oder Bestechlichkeit« informiert worden, heißt es. Der Regierende Bürgermeister und passionierte Tennisspieler handelte sich zuletzt viel Kritik ein (mehr dazu hier ).
»Nun hat Wegners Senatskanzlei noch eine Möglichkeit ausgemacht, viele Berlinerinnen und Berliner gegen sich aufzubringen«, berichtet mein Kollege Florian Pütz.
Die Kaffeespenden-Aktion war eigentlich vom 19. Januar bis 5. Februar 2026 geplant. Die Initiatoren und Unterstützer der Kaffeewette sind erzürnt. Der Einzelhändler Lind wehrt sich gegen den Vorwurf, er mache mit der Kaffeewette Werbung für sich. Und Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) spricht von einem Schlag ins Gesicht für engagierte Unternehmen und Bürger, die ein Zeichen des Zusammenhalts hätten setzen wollen.
Mein Kollege Florian schätzt die Stimmungslage so ein: »Aus der Nummer kommt Wegner wohl nur raus, indem er demnächst selbst mit dem Kältebus durch Berlin fährt.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Berlin hat den Kaffee auf
Was heute sonst noch wichtig ist
US-Präsident droht Gegnern seiner Grönlandpolitik mit Strafzöllen: Donald Trump will Grönland zu US-Staatsgebiet machen, entweder per Kaufvertrag oder mit militärischer Gewalt. Wer sich dem Vorhaben entgegenstellt, soll seinen Zorn zu spüren bekommen.
CDU und SPD in Brandenburg wollen über Koalition verhandeln: Die deutschlandweit einzige Koalition zwischen SPD und BSW ist in Brandenburg gescheitert. Jetzt wollen Sozialdemokraten und die CDU versuchen, eine rot-schwarze Regierung zu bilden.
Merz trifft Syriens Präsidenten Ahmed al-Sharaa: Kommende Woche soll es in Berlin zu einem Treffen zwischen dem Bundeskanzler und dem syrischen Übergangspräsidenten kommen. Es dürfte auch um sogenannte Rückführungen gehen.
Mein Lieblingskommentar heute: Nur weil seine Gegner den Friedensnobelpreis ernst nehmen, will Trump ihn überhaupt haben
Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hat Donald Trump im Weißen Haus ihre Medaille überreicht, die sie vor einigen Wochen erst in Oslo bekommen hatte. Das Nobelpreis-Institut in Oslo verkündete dazu: Der Preis könne gar nicht weitergereicht werden. Mein Kollege Tobias Rapp warnt vor voreiligem Spott. Der Friedensnobelpreis sei nur deshalb wichtig, weil der liberale Teil der Weltöffentlichkeit ihn dazu erklärt hat. »Es ist wie so häufig bei Donald Trump: Seine Stärke ist die Schwäche der anderen. Natürlich will er die Medaille aus Eitelkeit. Und selbstverständlich möchte er mit Obama gleichziehen, den er verabscheut und der für alles steht, was Trump ausstreichen und mit eigener Bedeutung übertünchen möchte. Aber er will den Preis eben auch, weil er eines der stärksten Symbole der weltweiten Zivilgesellschaft ist.« Wer Trump wirklich treffen wolle, müsse anders denken, findet Tobias, etwa überlegen, ob man die Fußball-Weltmeisterschaft boykottiert, sollten die USA sich wirklich Grönland unter den Nagel reißen. »Eine Fußball-WM ist kein Nobelpreis. Sie ist echter, harter, globaler Wettbewerb mit Gewinnern und Verlierern, mit Kampf und Drama und Milliarden Zuschauern. Genau das, was Donald Trump liebt.«
Lesen Sie hier den ganzen Kommentar: Nur weil seine Gegner den Preis ernst nehmen, will Trump ihn überhaupt haben
Was heute weniger wichtig ist
Papas Spielmobil: Sasha, 54, deutscher Popsänger, bringt seinen Sohn auf ungewöhnliche Weise zur Schule – mit einem Golfcart. Der Sänger hat keinen Führerschein und nutzt das 25 Kilometer pro Stunde schnelle, für die Straße zugelassene Gefährt als Elterntaxi. In jungen Jahren habe er nie die Prüfung gemacht, »weil mir immer wieder das Geld ausging«, sagte er der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Später habe er glücklicherweise Karriere gemacht. »Ab da musste ich nicht mehr selbst fahren«.
Mini-Hohl
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Cartoon des Tages
Und heute Abend?
Könnten Sie ins Kino gehen und sich den nicht sehr anspruchsvollen, aber schön spannenden Thriller »The Housemaid« ansehen. In ihm spielt die unter den Freundinnen und Freunden des Hollywoodklatschs derzeit besonders beliebte Schauspielerin Sydney Sweeney eine frisch aus dem Gefängnis entlassene Straftäterin, die von einer reichen Frau in einem New Yorker Nobelvorort als Hausmädchen engagiert wird. Amanda Seyfried stellt ihre Chefin und Gegenspielerin dar. Ich mag den Film sehr – und finde, dass man die Fröhlichkeit, mit der die Schauspielerin Sweeney hier wirklich nur die allernotwendigste Darstellungskunst abliefert, als Zeichen der Smartheit und Souveränität werten kann. (Eine Kritik lesen sie hier .)
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort
US-Vizepräsident JD Vance in München, Februar 2025: Bedrohung »von innen«
Foto: Sven Hoppe / dpaE-Auto mit Ladekabel
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Sänger Sasha
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Aus einem Werbeprospekt des Discounters Netto
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Klaus Stuttmann
Schauspielerin Sweeney: Manchmal, wenn es dramatisch wird, staunt sie mit geschlossenen Lippen
Foto:Daniel McFadden / Leonine