Menschen sind nicht wirklich multitaskingfähig – auch wenn sie üben
Einem Film im Fernsehen folgen und nebenher Nachrichten beantworten? Kein Wunder, wenn man etwas verpasst.
Auch mit viel Training kann das menschliche Gehirn zwei Aufgaben nicht wirklich gleichzeitig erledigen: Stattdessen arbeitet es Aufgaben weiterhin nacheinander ab, zeigt ein deutsches Forschungsteam nun mit einer Studie , die im Fachjournal »Quarterly Journal of Experimental Psychology« veröffentlicht wurde.
Für die Untersuchung bearbeiteten die Versuchspersonen zwei Aufgaben parallel: Sie sollten mit der rechten Hand die Größe eines kurz eingeblendeten Kreises anzeigen und gleichzeitig sagen, ob ein abgespielter Ton hoch, mittel oder tief war. Gemessen wurde, wie schnell sie reagierten und wie viele Fehler sie machten. Die Tests wurden über mehrere Tage hinweg wiederholt.
Mit zunehmender Übung wurden die Teilnehmenden zwar schneller und machten weniger Fehler. Lange galt ein solcher Trainingseffekt als Hinweis darauf, dass das Gehirn Aufgaben mit genügend Übung parallel verarbeiten kann.
»Dieses als Virtually Perfect Time Sharing bekannte Phänomen galt lange als Hinweis auf echte Parallelverarbeitung im Gehirn und als Nachweis dafür, dass unser Gehirn grenzenlos multitaskingfähig ist«, sagt der Psychologe Torsten Schubert von der Universität Halle. Die neuen Ergebnisse sprächen jedoch gegen diese Annahme.
Sobald sich Aufgaben ändern, nehmen Fehler zu
Den Forschenden zufolge optimiert das Gehirn die Reihenfolge der einzelnen Verarbeitungsschritte, sodass sie sich weniger gegenseitig behindern. »Unser Gehirn ist sehr geschickt darin, Prozesse hintereinanderzureihen«, erklärt Schubert. Diese Optimierung habe jedoch Grenzen.
Das Forschungsteam konnte nämlich auch nachweisen, dass bei kleinsten Veränderungen an den Aufgaben die Fehlerquote höher wurde und die Probanden länger brauchten, um die Aufgaben zu lösen. An drei durchgeführten Experimenten nahmen 25 Personen teil.
Die Erkenntnisse seien auch für den Alltag relevant: Multitasking könne etwa beim Autofahren oder in Berufen mit vielen parallelen Aufgaben zum Risiko werden, sagt der Psychologe Tilo Strobach von der Medical School Hamburg.