Europa soll nur noch etwa sechs Wochen Kerosin haben – Reiche sieht keinen Mangel
Europa habe »vielleicht noch etwa sechs Wochen Flugzeugtreibstoff«. Das hat der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press erklärt. Er warnte vor möglichen Flugausfällen, sollten die Öllieferungen durch den Irankrieg weiterhin ausbleiben.
Der IEA-Direktor zeichnete ein ernüchterndes Bild der globalen Auswirkungen durch die Blockade der Straße von Hormus auf die Weltwirtschaft und bezeichnete die aktuelle Lage als »die größte Energiekrise, mit der wir je konfrontiert waren«. Und: »Je länger es dauert, desto schlimmer wird es für das Wirtschaftswachstum und die Inflation weltweit«, sagte Birol. Die Folgen werden »höhere Benzinpreise, höhere Gaspreise und hohe Strompreise« sein.
Ohne eine Wiedereröffnung der Meerenge könnten einige Ölprodukte knapp werden, warnte er. In Europa »werden wir bald die Nachricht hören, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B aufgrund von Treibstoffmangel gestrichen werden könnten«, sagte er. Vergangene Woche hatte Fatih Birol auch mit dem SPIEGEL über das Thema gesprochen, das ganze Interview lesen Sie hier.
Reiche: Deutschland hat keinen Mangel an Kerosin
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte: »Wir haben in Deutschland keinen Mangel an Kerosin.« Demnach sei die deutsche Wirtschaft nicht nur von Importen abhängig, da »Kerosin übrigens auch in deutschen Raffinerien produziert wird«.
Die Wirtschaftsministerin verwies unter anderem auf die Freigabe staatlicher Ölreserven. In diesem Zusammenhang sei auch die Freigabe von Kerosin angefragt worden, »aber auch nicht in übermäßigen Maßen«.
Mit Blick auf die Lufthansa und deren Ankündigung, auch wegen der Lage an den Märkten für Kerosin den Betrieb einiger Flugzeuge einzustellen, sagte Reiche, dass der Luftfahrtkonzern »ja nicht nur in Deutschland und Europa, sondern international« operiere. »Wenn also die Lufthansa nach Asien fliegt und dort beispielsweise nicht aufgetankt werden könnte, dann gibt es ein erkennbares Problem.«
Mit einem Notfallplan will die EU die Kerosinversorgung sichern. Entsprechende Maßnahmen sind laut einem Bericht in Arbeit. Den ganzen Text lesen Sie hier.