Chinas Wirtschaft wächst trotz Irankriegs überraschend kräftig
Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat von Januar bis März um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Damit ist die chinesische Wirtschaft trotz Risiken durch den Irankrieg stärker gewachsen als erwartet. Analysten hatten nur mit plus 4,8 Prozent gerechnet und zeigten sich überrascht. »Von der Energiekrise scheint China wenig zu merken«, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. »Hohe strategische Reserven und ein guter Energiemix helfen, dass China weniger leidet als andere asiatische Länder.«
Allerdings werde der Irankrieg die globale Konjunktur schwächen, warnte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. »Das schadet dem exportgetriebenen chinesischen Wachstum.«
Auch das chinesische Statistikamt erklärte, die Wirtschaft sei gut ins erste Quartal gestartet, aber das externe Umfeld werde komplexer. Peking begründete das Wachstum mit der jüngsten Wirtschaftspolitik. So sei die Beziehung zwischen hohem Angebot und schwacher Nachfrage verbessert worden. Mögliche Auswirkungen durch die Lage im Ausland müsse man abwarten. Durch sein Industriesystem und die Energieinfrastruktur könne Chinas Wirtschaft mit solchen Risiken umgehen, hieß es.
Ende 2025 war die chinesische Wirtschaft um 4,5 Prozent gewachsen. Dies war der niedrigste Wert seit drei Jahren. Für 2026 peilt die Regierung in Peking 4,5 bis 5 Prozent Wachstum an.
Abzuwarten bleibt, wie sich der Irankrieg auf die Wirtschaft der Volksrepublik auswirkt. Der Krieg werde sich in erster Linie durch weltweit steigende Preise und eine mögliche Einschränkung der Gesamtnachfrage nach chinesischen Exporten außerhalb Chinas zum Tragen kommen, sagte Alex Brown, Analyst am Berliner Institut für China-Forschung Merics.
Peking will Konsum in China fördern
China ist nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Als weltgrößter Energieimporteur und stark exportabhängige Volkswirtschaft dürfte China sich den Folgen des Irankriegs nicht entziehen können.
Zwar sei Chinas Produktion relativ widerstandsfähig, die wichtigsten Handelspartner des Landes hätten aber mit Stagflationsrisiken zu kämpfen, sagte Xinquan Chen, China-Ökonom beim Finanzdienstleister Goldman Sachs. 40 Prozent der Exporte Chinas entfallen auf Schwellenländer mit geringerem Einkommen. Von Stagflation sprechen Fachleute bei steigenden Preisen und zugleich mauer Konjunktur.
China plagen seit Längerem Wirtschaftsprobleme wie eine schwache Nachfrage gepaart mit einem Überangebot in vielen Branchen. Peking will den Konsum in China fördern, um damit zum Wirtschaftswachstum beizutragen.