Deutsche Bahn zahlte 156 Millionen Euro Entschädigung für Verspätungen
Die Deutsche Bahn (DB) hat im vergangenen Jahr wegen zahlreicher Verspätungen und Zugausfälle 156,1 Millionen Euro an Entschädigungen an ihre Kunden gezahlt. Das sagte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson der »Süddeutschen Zeitung« am Montag einem Vorabbericht zufolge.
Die Summe habe sich damit gegenüber dem Jahr 2019 verdreifacht, sei jedoch um rund 41 Millionen Euro niedriger als im Vorjahr. »Wir gehen davon aus, dass das auch daran liegt, dass es im vergangenen Jahr keine großen Sonderereignisse wie Streiks gab«, sagte Peterson. Trotzdem seien die Ausgaben für die DB eine große finanzielle Belastung.
Die Sparte DB Fernverkehr belaste Medienberichten zufolge die Bilanz des Gesamtkonzerns. »Die vielen Baustellen und Störungen sind für uns sehr herausfordernd«, erklärte Peterson. Eine mehrwöchige Sperrung bedeute Umsatzeinbrüche »im ein- oder sogar zweistelligen Millionenbereich«. Zudem habe die Sparte fast 300 Millionen Euro mehr für die Nutzung der Schienen zahlen müssen.
Das Deutschlandticket habe die Lage verschärft. »Das hat uns 15 Millionen Fahrgäste aus den Zügen gezogen«, sagte der Manager. Die Auslastung der Fernzüge sei 2025 auf 48 Prozent gesunken. »Vor Corona waren wir bei 56 Prozent, und ja, da wollen wir wieder hinkommen«, fügte Peterson hinzu.
Massiver Ärger um Kurzzeit-Finanzchefin
Das Unternehmen hatte zuletzt auch an der Spitze mit einigen Verwerfungen zu tun. So hatten in der vergangenen Woche insgesamt fünf Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn inklusive deren Chefin Evelyn Palla in einem Schreiben an den Aufsichtsratschef des Konzerns mit der bisherigen Finanzvorständin Karin Dohm abgerechnet. Sie sollen um die Abberufung Dohms gebeten haben. Das berichtete die »Süddeutsche Zeitung«.
Laut dem Bericht ist das Schreiben sowohl von Bahn-Chefin Evelyn Palla handschriftlich unterzeichnet als auch von ihren vier Vorstandskollegen Peterson, Martin Seiler, Bernhard Osburg und Harmen van Zijderveld.
In dem Brief wählten die Führungskräfte drastische Worte. »Das Vertrauensverhältnis eines jeden Einzelnen zu Frau Dohm ist nachhaltig, tiefgreifend und unwiederbringlich gestört«, hieß es.
Dohm war erst im Dezember als Finanzvorständin bestellt worden. Ende Februar war bekannt geworden, dass sich die Deutsche Bahn nach nur drei Monaten schon wieder von ihr trennen will. Dohm hatte in der kurzen Zeit viele mächtige Interessenvertreter, wie den Betriebsrat, gegen sich aufgebracht, etwa durch unabgesprochenes Vorgehen bei der Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services.