Ver.di ruft zu bundesweiten Warnstreiks im Nahverkehr auf
Busse und Bahnen dürften zum Ende der Woche vielerorts in Deutschland stillstehen: Die Gewerkschaft Ver.di hat für Freitag und in manchen Regionen auch für Samstag zu bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufgerufen. An der Tarifrunde beteiligt seien 150 öffentliche Verkehrsunternehmen und Busbetriebe mit zusammen rund 100.000 Beschäftigten in allen Bundesländern sowie den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen, teilte die Gewerkschaft mit .
Wie die Gewerkschaft mitteilte, sollen die Beschäftigten in fast allen Bundesländern die Arbeit niederlegen. In zahlreichen kommunalen Nahverkehrsunternehmen dürften dadurch an den beiden Tagen so gut wie keine Busse und Bahnen fahren. Der Streik soll am Freitag in den frühen Morgenstunden beginnen und je nach Region bis in die Nacht auf Samstag oder Sonntag andauern.
Bei der Hamburger Hochbahn ist etwa ein 48-stündiger Warnstreik ab Freitagfrüh geplant. »Fahrgäste müssen an beiden Tagen mit erheblichen Einschränkungen im Bus- und U-Bahn-Verkehr in Hamburg rechnen«, heißt es in einer Mitteilung. Am Freitag ist eine Demonstration geplant.
Noch offen ist, ob in Baden-Württemberg und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein gestreikt wird – hier sollen die Entscheidungen im weiteren Verlauf der Woche fallen. Von Streiks ausgenommen ist Niedersachsen, dort gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht. Die Nahverkehrsangebote der Deutschen Bahn wie etwa die S-Bahn-Verbindungen in den großen Städten dürften vom Warnstreik dagegen nicht betroffen sein.
Wie voll wird es auf den Straßen?
»Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern«, sagte die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Christine Behle. »Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für unsere Forderungen zu kämpfen.«
Die Gewerkschaft ruft damit zum zweiten Mal in der laufenden Tarifrunde zu bundesweiten ÖPNV-Warnstreiks auf. Beim ersten Mal am 2. Februar waren die Auswirkungen groß. In weiten Teilen Deutschlands kam der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen. Nun dürfte es für Millionen Arbeitnehmerinnen oder Schüler vor allem am Freitag erneut stressig werden.
Die Warnstreiks Anfang Februar hatten auch Auswirkungen auf den restlichen Verkehr, weil viele Menschen auf das Auto umstiegen. Nach Einschätzung des ADAC war bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen. Zudem stieg dem Fahrdienstvermittler Freenow zufolge in den Morgenstunden die Nachfrage nach Taxis stark. Immerhin: Die Warnstreiks dürften nicht wieder von eisigem Wetter begleitet werden – deutschlandweit werden zweistellige Temperaturen erwartet.
In den seit November laufenden Verhandlungen über den Tarifvertrag Nahverkehr TV-N, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Ver.di deutlich bessere Arbeitsbedingungen,
etwa durch Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Schichtzeiten,
Verlängerung der Ruhezeiten
sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.
Vielerorts verlangen die Beschäftigen auch mehr Geld, bei der Hamburger Hochbahn fordert Ver.di etwa 7,5 Prozent mehr Lohn im Monat als bislang. Der Vertrag soll ein Jahr lang laufen.
»Die Verhandlungen kommen insgesamt kaum voran, obwohl es in einzelnen Bereichen schon vier Runden gab«, sagte die stellvertretende Ver.di-Chefin Behle. Das sei »mehr als enttäuschend«. In den vergangenen Tagen hatte die Gewerkschaft deshalb regional immer wieder auch die Nahverkehrsunternehmen in einzelnen Ländern und Städten bestreikt, zuletzt etwa in Hessen und Bayern. Die Arbeitsbedingungen sind einer Gewerkschaftsstudie zufolge in Deutschland für die Fahrer von Bussen und Bahnen äußerst unattraktiv.
Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt den fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Ver.di bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft besonders wichtig findet.