JPMorgan warnt vor größeren Ausfällen bei riskanten Unternehmenskrediten

Unter führenden Bankern wächst die Sorge vor Geschäften mit riskanten Unternehmenskrediten. Es handelt sich um private Darlehen, die abseits der Börse von Investment- oder Fondsgesellschaften vergeben werden. Das Geld dafür stammt von Investoren.

Der Markt für diese »Private Credit« genannten Kredite für Unternehmen sei mit 1,8 Billionen Dollar derzeit zwar relativ klein, schrieb der Chef der weltweit größten Bank JPMorgan, Jamie Dimon, in seinem jährlichen Brief  an die Aktionäre. In einem Abschwung könnten jedoch die »Verluste (…) höher ausfallen als erwartet«.

Die Kreditstandards hätten sich fast durchgängig »leicht verschlechtert«, schrieb Dimon zum Hintergrund. Es gebe unter anderem »aggressivere und positivere Annahmen über die zukünftige Performance, schwächere Kreditauflagen«, neue Zinsregelungen und aggressive private Ratings etwa von Versicherern. Hinzu komme das Ausnutzen von Preisunterschieden für identische Vermögenswerte.

Große geopolitische Risiken

»Private-Credit«-Geschäfte für Unternehmen seien zudem in der Regel nicht besonders transparent und wiesen keine strengen Bewertungsmaßstäbe auf, was die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass Anleger verkaufen, wenn sie eine Verschlechterung des Umfelds erwarten, sagte er. Was also sind die Vermögenswerte hinter den Zahlen in den Büchern tatsächlich wert? Besonders bei vielen gehypten Techwerten ist das nur schwer zu beantworten.

Der Markt mit riskanten Unternehmenskrediten hatte nach der jüngsten Finanzkrise kräftig zugelegt. Es gibt Beobachter, die befürchten, dass sich durch große Ausfälle bei diesen Krediten perspektivisch erneut eine Finanzkrise entwickeln könnte. Etwa, wenn das Vertrauen von Investoren einbricht und diese Kasse machen wollten.

Der 70-jährige Dimon, der JPMorgan seit zwei Jahrzehnten führt, sagte dennoch, dass der gefährdete Kreditsektor »wahrscheinlich« kein systemisches Risiko darstelle. Er erkannte aber an, dass zahlreiche Fonds sich in letzter Zeit aus diesen Krediten zurückgezogen haben.

Wie groß die Nervosität auf dem Markt bereits ist, zeigte sich Ende vergangener Woche beim großen US-Vermögensverwalter ​Blue Owl. Er begrenzte für zwei seiner Fonds den Betrag, den Anleger abziehen können. Aktien von Blue Owl gaben daraufhin an der Börse nach, genauso wie Papiere von Apollo Global, ​Blackstone und Ares Management.

Sorge bereiten JPMorgan zudem die geopolitischen Risiken wie die Kriege in der Ukraine und in Nahost sowie die Spannungen mit China. »Die Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, sind erheblich«, sagte Dimon. »Aufgrund des Krieges in Iran sehen wir uns nun zusätzlich mit der Gefahr erheblicher anhaltender Öl- und Rohstoffpreisschocks konfrontiert, verbunden mit einer Umgestaltung der globalen Lieferketten, was zu einer hartnäckigeren Inflation und letztlich zu höheren Zinssätzen führen könnte, als die Märkte derzeit erwarten.«

Die durch den Krieg ausgelösten Inflationssorgen haben dazu geführt, dass die Märkte Zinssenkungen in diesem Jahr weitgehend ausschließen, nachdem die geldpolitische Lockerung im vergangenen Jahr zu Rekordhochs an den Aktienmärkten geführt hatte. Vergangene Woche schloss der Leitindex S&P 500 sein schlechtestes Quartal seit 2022 ab. Die Märkte wurden seit Ende Februar durch den Krieg und den daraus resultierenden Anstieg der Energiepreise belastet.

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