Prozess nach Dammbruch gegen TÜV Süd und Vale gestartet
Es war die tödlichste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens: Beim Bruch des Rückhaltebeckens einer Eisenerzmine nahe der Kleinstadt Brumadinho im Januar 2019 begruben rund 13 Millionen Kubikmeter Schlamm mit toxischen Schwermetallrückständen 272 Menschen unter sich. Die Bergbaurückstände vergifteten zudem den Fluss Rio Doce bis zu seiner Mündung in den Atlantik. Am Montag (Ortszeit) startete nun der Strafprozess gegen 16 Mitarbeiter des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale und einer Tochtergesellschaft von TÜV Süd, die die Stabilität des Damms zertifiziert hatte, wie brasilianische Medien berichteten.
In Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, müssen sich die Angeklagten wegen Umweltverbrechen und 272-fachen Mordes verantworten. So hatte TÜV Süd nur vier Monate vor der Katastrophe den Damm des Abraumbeckens für stabil erklärt; dabei waren den Beteiligten die Sicherheitsrisiken bekannt gewesen. Unter Beteiligung von Vale-Mitarbeitern wurde dennoch eine Stabilitätserklärung ausgestellt.
Die Prozessanhörung von 166 Zeugen ist auf 76 Sitzungen angesetzt, die bis Mai 2027 dauern sollen. Unter den Angeklagten sind elf Mitarbeiter von Vale und vier der Tochtergesellschaft von TÜV-Süd. Der Ex-Präsident von Vale, Fábio Schvartsman, war von dem Prozess ausgeschlossen worden. Allerdings läuft derzeit noch die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen seinen Ausschluss.
Verfahren in Deutschland verzögert
Auch in Deutschland könnte der Fall Brumadinho vor Gericht kommen. So hatte das katholische Hilfswerk Misereor zusammen mit dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und Hinterbliebenen der Opfer im Oktober 2019 in München Strafanzeigen gegen TÜV Süd und einen ihrer Mitarbeiter gestellt. In dem Verfahren fordern mehr als 1400 Kläger mehr als 582 Millionen Euro Schadensersatz. Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Die Verzögerung im deutschen Strafverfahren zeige eine organisierte Verantwortungslosigkeit in der Zertifizierungsbranche des Bergbausektors, erklärte Cannelle Lavite vom ECCHR in einer Pressemitteilung . Weiter heißt es dort: »Fehlende Rechenschaftspflicht führt dazu, dass systemische Versäumnisse fortbestehen, und erschwert Betroffenen den Zugang zu Gerechtigkeit sowie die Verhinderung künftiger Schäden.«
Misereor erklärte zu dem schweren Unglück von vor sieben Jahren: »Es kann nicht angehen, dass Konzerne Umwelt- und Menschenrechtsstandards missachten und die Konsequenzen ungestraft auf die Menschen und die Gesellschaft abwälzen, um Wachstum und Profite zu sichern«, so Armin Paasch, Misereor-Experte für Wirtschaft und Menschenrechte.