Osteuropa rettet die deutsche Exportwirtschaft
Während die Exporte in die USA eingebrochen sind, hat sich Polen als viertgrößter Absatzmarkt Deutschlands etabliert – noch vor Italien und China. Auch insgesamt ist Deutschlands Außenhandel mit Osteuropa und den früheren sowjetischen Teilrepubliken im vergangenen Jahr ordentlich gewachsen.
So stieg das Handelsvolumen einer Mitteilung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft zufolge um 3,4 Prozent auf gut 550 Milliarden Euro und damit stärker als der deutsche Außenhandel (+2,4 Prozent) insgesamt. Handelsabkommen mit Indien und den südamerikanischen Mercosur-Staaten seien die Zukunft – »aber die Gegenwart heißt Mittel- und Osteuropa«, sagte demnach die Ost-Ausschuss-Vorsitzende Cathrina Claas‑Mühlhäuser bei einer Pressekonferenz.
Nur investieren oder auch abwandern?
Den Angaben zufolge geht derzeit fast jedes fünfte deutsche Exportprodukt in die 29 Länder dieser Region. Claas‑Mühlhäuser sprach deshalb von einem »Stabilitätsanker für den deutschen Außenhandel«.
Das Volumen der deutschen Exporte in die Region kletterte im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 288 Milliarden Euro. Allein die Ausfuhren nach Polen und Tschechien legten um insgesamt fast neun Milliarden Euro zu. Damit geht fast jedes fünfte deutsche Exportgut inzwischen nach Osteuropa. Die Einfuhren aus der Region stiegen im gleichen Zeitraum um 3,6 Prozent auf 262 Milliarden Euro.
Die wachsende Bedeutung Osteuropas unterstreicht auch eine Umfrage, die der Ost-Ausschuss gemeinsam mit der Unternehmensberatung KPMG durchgeführt hat. Demnach wollen 41 Prozent der 15 befragten deutschen Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten in der Region investieren.
Der Ausschuss wirbt deshalb auch für mehr Tempo und eine größere Flexibilität bei der EU-Erweiterung. Ländern wie den Balkanstaaten und der Ukraine soll so der Weg in die Europäische Union erleichtert werden. »Die Unternehmen wollen dabei vor allem ihr Geschäft ausbauen, nicht abwandern«, sagte der stellvertretende Ost-Ausschuss-Vorsitzende Philipp Haußmann. »70 Prozent der befragten Unternehmen schließen eine Produktionsverlagerung aus Deutschland kurzfristig aus, nur vier Prozent haben konkrete Pläne.«
Der 1952 gegründete Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft fördert die Handelsbeziehungen mit 29 Ländern in Osteuropa und Zentralasien. Ihm gehören rund 350 Unternehmen und Verbände an.