Betriebsratschefin Cavallo erklärt Werksschließungen zum Tabu

Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat angekündigt, den Sparkurs des Autoherstellers zu verschärfen. Dagegen will sich der Betriebsrat zur Wehr setzen.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo verwies in einem internen Brief an die Belegschaft auf die Vereinbarung von Gewerkschaft und Unternehmen von Ende 2024. »Uns ist bewusst, dass wir uns mit dem Konzern nach wie vor in einer schwierigen Lage befinden«. Deshalb sei alles ‌in die Wege geleitet worden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Auswirkungen auf die Belegschaft sozial verträglich zu gestalten.

Der Pakt sieht zwischen 2025 und 2030 den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland vor. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen wurden ‌ausgeschlossen. »Mit uns wird es keine Werksschließungen geben«, bekräftigt ​Cavallo in dem Brief.

Der Dax-Konzern steht finanziell unter Druck, wie das manager magazin zuletzt berichtete. Die ‌Ratingagentur S&P hat den Ausblick für Volkswagen kurz vor Weihnachten auf »negativ« gesenkt und ‌auf das Risiko verwiesen, dass ​der Autobauer die für sein Rating relevanten Finanzkennziffern verfehlen könnte. Finanzchef Arno Antlitz hatte deshalb sechs Milliarden Euro Barmittel (Netto-Cashflow) aufgetrieben, unter anderem durch ​den Verkauf von Forderungen.

In einem internen Interview hatte Antlitz bekräftigt, dass Volkswagen 2025 eine Rendite »am oberen Ende des Korridors von 2 bis 3 Prozent« erwartet – die tatsächlichen Zahlen verkündet der Autohersteller am 10. März. Das sei kein nachhaltiges, robustes Ergebnisniveau und zu wenig, um kraftvoll investieren zu können. »Die Restrukturierung muss weiter entschieden vorangetrieben werden«, erklärte der Finanzchef den Mitarbeitenden.

Konzernchef Blume und Finanzvorstand ‌Antlitz hatten daraufhin laut manager magazin Mitte Januar die 120-köpfige Führungsriege auf verschärfte Anstrengungen zur Senkung der Kosten eingeschworen. Bis Ende ​2028, so das Ziel, sollen konzernweit um 20 Prozent eingespart werden. Auch Werksschließungen stehen dabei zur Debatte.

Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern. Blume werde zur Vorlage der Bilanz 2025 am 10. März über den aktuellen Stand der seit Jahren laufenden Bemühungen um niedrigere Kosten informieren. Seit dem 2023 beschlossenen Plan für mehr Profitabilität seien konzernweit Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe erzielt worden.

Grund für die jetzt erfolgte Verschärfung des Sparkurses sind laut manager magazin die Renditesorgen angesichts der Flaute in China, der US-Zollpolitik und des schwierigen Wettbewerbsumfelds. »Wir müssen ⁠die Gewinnschwelle senken«, erklärte Blume. Das Sparziel von 20 Prozent sei »die Ambition« und gelte für alle Marken und Kostenarten. Dies entspräche einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro. In den vergangenen beiden Jahren habe der Konzern Einsparungen von insgesamt 33 Milliarden Euro erzielt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, VW habe laut Finanzchef Antlitz 2025 eine Rendite von drei Prozent erzielt. Tatsächlich hatte Antlitz nur bekräftigt, Volkswagen erwarte 2025 eine Rendite »am oberen Ende des Korridors von 2 bis 3 Prozent«. Die erreichten Zahlen veröffentlicht der Konzern am 10. März. Wir haben die Stelle korrigiert.

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