RTL äußert sich selbstkritisch zu Umgang mit Gil Ofarim

RTL hat eingeräumt, dass der Sender anders mit den Aussagen des umstrittenen Musikers Gil Ofarim im Dschungelcamp hätte umgehen können. »Natürlich haben wir das intern reflektiert«, sagte RTL-Deutschland-Chef Stephan Schmitter in einem Interview dem Branchendienst dwdl.de . Das Team am Drehort in Australien habe das Thema an vielen Stellen gut verarbeitet. Und doch habe es »ein, zwei Sendungen« gegeben, in denen man so agiert habe wie immer im Dschungelcamp – das Format lasse die Protagonisten erzählen und das Publikum mache sich sein eigenes Bild.

»Aus heutiger Sicht wäre es an der einen oder anderen Stelle besser bzw. richtig gewesen, die Fakten direkt in der Livesendung klarzustellen und nicht nur in ›Der Stunde danach‹«, sagte Schmitter. »Da hätten wir in Köln redaktionell reagieren müssen. Und sei es nur mit einer Bauchbinde.«

Bauchbinden sind Einblendungen mit Informationen für Zuschauer. »Die Stunde danach« ist eine Anschlusssendung nach dem Dschungelcamp, in der die Geschehnisse in Australien besprochen werden.

Ofarim hatte die RTL-Show »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« gewonnen. In der Sendung nahm seine Vergangenheit viel Raum ein. 2021 hatte der Musiker für Schlagzeilen gesorgt, als er sich im sozialen Netzwerk Instagram als Opfer antisemitischer Äußerungen eines Leipziger Hotelmitarbeiters  darstellte. Später gestand er aber vor Gericht, dass er die Vorwürfe erfunden habe, und entschuldigte sich.

Im Dschungelcamp war das natürlich ein größeres Thema. Viele Beobachter irritierte aber zum Beispiel, als Ofarim plötzlich nahelegte, dass mit den Kameraaufnahmen aus dem Hotel, die einer der Gründe für die Entlastung des Hotelmitarbeiters vor Gericht waren, womöglich etwas nicht gestimmt haben könnte.

Der damals fälschlich beschuldigte Hotelmitarbeiter zeigte sich in einem Interview mit der »Zeit» daraufhin fassungslos. »Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich«, sagte er. Auch die Staatsanwaltschaft betonte, dass es sich um bloße »Wiederholungen von Vermutungen und Andeutungen angeblicher Manipulationen an letztlich nicht verfahrensrelevanten Aufnahmen« handle.

RTL war von Beobachtern dafür kritisiert worden, Ofarims Aussagen in der Sendung nicht adäquat eingeordnet zu haben.

SPIEGEL-Autorin Anja Rützel brachte das Agieren von RTL in ihrem Fazit des diesjährigen Dschungelcamps so auf den Punkt : »Als Ofarims Mitcamper in mal drastischen, mal sanften Worten von ihm forderten, im Camp mit einem Statement Verantwortung für seine Taten und Worte zu übernehmen, stilisierte RTL ihn zum dauerverfolgten, gebrochenen Schmerzensmann, dessen Leid relevanter zu sein schien als das seines Opfers – mit teilweise fast heilandshaft verklärendem Schnitt und parteiischen Moderationen.«

RTL-Deutschland-Chef Schmitter: »Da hätten wir in Köln redaktionell reagieren müssen«

Foto: Malte Ossowski / Sven Simon / IMAGO

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