Trump nominiert Kevin Warsh als neuen Chef der US-Zentralbank

US-Präsident Donald Trump hat den früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger für US-Notenbank-Chef Jerome Powell vorgeschlagen. Das teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Der US-Senat muss Trumps Kandidaten noch als künftigen Leiter der Federal Reserve bestätigen.

Der Ökonom und frühere Fed-Direktor gilt als ausgewiesener Finanzexperte. Zugleich ‌hat US-Präsident Donald Trump bereits vor der Nominierung betont, dass der Nachfolger von Fed-Chef Powell ein Anhänger niedrigerer Leitzinsen sein werde. Für den derzeit an der US-Eliteuniversität Stanford tätigen Warsh ist es eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte, denn er saß bereits von 2006 bis 2011 im Board der US-Notenbank.

In diese Zeit fielen die globale Finanzkrise und die dadurch ausgelösten Erschütterungen, die die Arbeitslosenzahlen hochtrieben. Anders als damals läuft die US-Wirtschaft zwar rund. Doch die auch wegen der Folgen der Zollpolitik Trumps weiter hartnäckig erhöhte Inflation und ein merklich abgekühlter Arbeitsmarkt stellen die Fed vor neue Herausforderungen, während sie von Trump immer wieder zu Zinssenkungen gedrängt wird.

Powell im Visier der Jusitz

Powell ist im Zuge von Kostenüberschreitungen bei einem 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierungsprojekt am Sitz der Fed in Washington sogar ins Visier der Justiz ⁠geraten. Der Fed-Chef bezeichnete das ‍Vorgehen als Vorwand, um ihn wegen der von Trump geforderten Zinssenkungen unter Druck zu setzen. Der 55-jährige Warsh hatte in einem Interview mit »Fox News« Mitte vorigen Jahres klargemacht, dass er für eine Lockerung des geldpolitischen Kurses eintreten würde, wenn er darüber mitzubestimmen hätte.

Warsh wurde in Albany im US-Bundesstaat ​New York geboren. Er studierte Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften und Statistik an der Stanford University, wo er 1992 ‌seinen Bachelor-Abschluss mit Auszeichnung erwarb. An der Harvard Law School setzte er seine Ausbildung mit einem Jurastudium fort, das er 1995 abschloss.

In seiner beruflichen Karriere hat er Erfahrung im Finanzsektor und in der Politik gesammelt. Warsh arbeitete unter anderem für die US-Großbank Morgan Stanley und später auch im wirtschaftlichen Beratergremium von Altpräsident George W. Bush, bevor er zur Fed wechselte.

Gefahr für die Unabhängigkeit der Fed

Warsh hatte Mitte Juli 2025 mit Vorschlägen zum Verhältnis zwischen Fed und Finanzministerium für Aufsehen gesorgt. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC lancierte er die Idee, die 1951 beschlossene Übereinkunft aufzuweichen, wonach das Schuldenmanagement des US-Bundesstaates von der Geldpolitik getrennt ist. Eine ‌Reform könnte aus Sicht von Warsh den Prozess der Bilanzreduzierung ‍der Fed erleichtern, indem beide Institutionen ihre Absichten gemeinsam kommunizierten. Dies bedeute jedoch nicht per se eine Zusammenarbeit mit der Regierung.

Die Vereinbarung vom März 1951 beendete eine ‍Periode, in der sich die Zentralbank auf Ersuchen des Finanzministeriums zu einer Niedrigzinspolitik verpflichtet hatte, um günstigere Bundesanleihen zur Finanzierung der Kriegsanstrengungen im Zweiten Weltkrieg zu ermöglichen. Historiker betrachten diese Vereinbarung als einen entscheidenden Moment, der ‍ihre praktische Unabhängigkeit von der Regierung etablierte und den Grundstein für die zukünftige Geldpolitik legte. Nunmehr hat Trump mit seinen Attacken auf die ⁠Notenbank ​eine Debatte darüber entfacht, ob diese Unabhängigkeit in Gefahr gerät. Der US-Präsident hat bereits die Erwartung geäußert, dass er vor Zinsentscheidungen gehört werden möchte.

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