Kassenärztechef will Krankschreibung in den ersten drei Tagen abschaffen
Die Höhe des Krankenstands sorgte zuletzt für viel Diskussion. Nun sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen: Das eigentliche Problem sei die Krankschreibung in den ersten drei Tagen, die Arbeitgeber oft einfordern würden. »Wir plädieren dafür, diese Regelung ganz abzuschaffen – telefonisch, vor Ort oder digital«, sagte Gassen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). »Niemand, der krank ist, muss sich dies in den ersten drei Tagen von einem Arzt bestätigen lassen.«
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand der Deutschen kritisiert. Im Schnitt kämen die Beschäftigten in Deutschland auf drei Wochen Krankschreibung im Jahr.
Was an der Kritik des Bundeskanzlers dran ist, lesen Sie hier.
»Kein Freifahrtschein für Blaumacher«
Kassenärzte-Chef Gassen stimmte dem Bundeskanzler zu und erklärte nun: »Bei den sogenannten Kinderkrankentagen ist es oft völlig absurd.« Das Kind werde krank zu Hause betreut, müsse gar nicht zum Arzt, die Eltern benötigten aber ein ärztliches Attest für den Arbeitgeber. »Auch hier sollte das ärztliche Attest in den ersten drei Tagen überall abgeschafft werden«, forderte Gassen.
Wer sich ein ärztliches Attest erschleichen wolle, schaffe das bereits jetzt, auch in der Arztpraxis. »Kein ärztliches Attest in den ersten drei Tagen wäre kein Freifahrtschein für Blaumacher«, so Gassen. Die Arbeitgeber könnten es auf Vertrauensbasis handhaben. Aber auch ein Bonus für diejenigen, die sich nicht krankmeldeten, sei denkbar. Andere Arbeitgeber führten womöglich einen unbezahlten Karenztag ein. »Da kann ein Arbeitnehmer einen Tag nicht zur Arbeit erscheinen, ohne Gründe. Das gibt es in vielen Ländern.«
Hausärzte haben die Bundesregierung vor einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung gewarnt. »Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen bestätigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt«, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Markus Beier, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Wer die telefonische Krankschreibung abschafft, der trägt die Verantwortung dafür, dass sich in Zukunft wieder unzählige Patientinnen und Patienten ohne Not in die Praxen schleppen müssen.«