Merz trifft Syriens Präsidenten Ahmed al-Sharaa
Er galt als Terrorist, nun soll er in Deutschland empfangen werden: Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa soll in der kommenden Woche Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin treffen, teilte ein Regierungssprecher mit. Sharaa soll zudem an einem Treffen mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Unternehmern teilnehmen.
CDU-Chef Merz hatte Sharaa bereits im vergangenen Dezember zu einem Gespräch über Abschiebungen eingeladen. »Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Es gibt jetzt keinerlei Gründe mehr für Asyl in Deutschland, und deswegen können wir auch mit Rückführungen beginnen«, sagte Merz damals. Außenminister Wadephul hingegen hatte bei einem Besuch in Syrien bezweifelt, dass angesichts der massiven Zerstörung durch den jahrelangen Bürgerkrieg kurzfristig eine große Zahl syrischer Geflüchteter freiwillig dorthin zurückkehren werde.
Kritik an dem Besuch von Sharaa kommt von den kurdischen und alawitischen Gemeinden in Deutschland. Sie werfen der syrischen Regierung vor, sie unterdrücke gewaltsam ethnische und religiöse Minderheiten. »Vor diesem Hintergrund ist es für uns unverständlich sowie rechtlich wie moralisch nicht hinnehmbar, dass die Bundesregierung wissentlich einen mutmaßlich Verantwortlichen für diese Taten im Bundeskanzleramt empfangen will«, heißt es in einem Appell an Bundestag und Bundesregierung.
In Syrien wurde Ende 2024 der langjährige Machthaber Baschar al-Assad durch die Islamistenmiliz HTS gestürzt, angeführt von Sharaa. Dieser wurde im Januar vergangenen Jahres zum Übergangspräsidenten ernannt und steuert das Land seitdem hin zu einer Öffnung und Annäherung an den Westen.
Seit dem Umbruch ist es bereits mehrfach zu Gewaltwellen gegen Minderheiten gekommen. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet. Zuletzt ließen Gefechte in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo neue Eskalationen befürchten. Regierungstruppen kämpften dabei gegen kurdische Kräfte. Zuvor kam es bereits zu Gefechten mit anderen Minderheiten wie den Drusen im Süden oder den Alawiten an der Küste.
Gut ein Jahr nach dem Sturz des Diktators Assad ringt das Land um Einheit. Lesen Sie hier, warum sich in Aleppo die Risse des neuen Syriens zeigen .