Wie stark ist Putins Armee wirklich?

Propagandaschlacht um die Schlacht

Folgt man der Kremlpropaganda, dann hat Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits so gut wie gewonnen. Seit Monaten zeichnen russische Medien ein Bild, wonach die Truppen von Machthaber Wladimir Putin die Ukrainer überrollten und es nur noch eine Frage der Zeit sei, ehe man das Nachbarland vollständig eingenommen habe. Bei seiner Jahresend-Pressekonferenz am vergangenen Freitag ließ Putin einen Kommandeur auftreten, der genau das bestätigen sollte (mehr dazu hier).

Tatsächlich ist die Ukraine an einigen Frontabschnitten in der Defensive. Im Donbass etwa hat sie im vergangenen Jahr beständig Gebiet verloren. Doch die ukrainische Verteidigung ist weit davon entfernt, zu kollabieren. Mitunter gelingt es den Ukrainern sogar, Orte von den Russen zurückzuerobern, wie zuletzt etwa die Stadt Kupjansk im Nordosten (mehr dazu hier ).

Eine Zeit lang, etwa nach dem gescheiterten Sturm auf Kyjiw zu Kriegsbeginn, wurde Putins Armee im Westen für schwächer gehalten, als sie wahrscheinlich war. Zuletzt wurde sie eher starkgeredet. Beides ist falsch. Gerade vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand (mehr dazu hier) ist ein realistischer Blick auf die Front wichtig. Die Lage sei für die Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj »alles andere als katastrophal«, sagte der ehemalige US-Sicherheitsberater John Bolton meiner Kollegin Nicola Abé und mir (lesen Sie das SPIEGEL-Gespräch hier ). Zwar wird die Ukraine den Kriegsverlauf auf absehbare Zeit nicht fundamental ändern können. Sie ist jedoch auch in keiner Position, in der sie jeden Deal akzeptieren müsste.

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Trumps Armada

Er lief offenbar unter der Flagge Panamas, sollte jedoch Öl aus Venezuela ins Ausland bringen: Am Samstag ließen die USA erneut einen Tanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmen. Derzeit versucht die US-Küstenwache, in der Region einen weiteren Tanker unter ihre Kontrolle zu bringen (mehr hier).

Wenige Tage zuvor hatte Präsident Donald Trump eine »vollständige Blockade aller sanktionierten Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela« befohlen. Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro nutze »das Öl zur Finanzierung von Drogenterrorismus, Menschenhandel, Mord und Entführungen«, sagte er. Das Regime in Caracas wirft der Trump-Regierung umgekehrt einen »schwerwiegenden Akt internationaler Piraterie« vor (mehr dazu hier).

Der Konflikt zwischen den USA und Venezuela schwelt nun schon seit einigen Wochen – und mit jedem Tag wird deutlicher, was Trumps Kalkül ist. Er will so viel Druck auf Maduro aufbauen, dass dieser letztlich nachgibt und sich als Präsident zurückzieht. Wohl deswegen haben die USA Kriegsschiffe in die Karibik entsandt (Trump selbst spricht von der »größten Armada« aller Zeiten), Boote mit mutmaßlichen Drogenschmugglern beschossen und das Maduro-Regime als Terrororganisation eingestuft (mehr dazu hier ).

Die Frage ist, was passiert, wenn Maduro nicht einknickt. Beobachter fürchten, dass die USA und Venezuela dann einen Krieg führen könnten, den eigentlich keine der beiden Seiten will. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva warnte gerade erst vor einer »humanitären Katastrophe für die (südliche) Hemisphäre und einem gefährlichen Präzedenzfall für die Welt«. Trump hat zuletzt Weihnachten als Frist genannt, um den Ukrainekrieg zu beenden. Nun sieht es so aus, als könnte er bis dahin eher einen neuen beginnen.

  • Mehr Hintergründe hier: Der nächste Krieg? 

Hat die Welt den Sudan schon wieder vergessen?

Zu den Eigenheiten unserer Zeit gehören atemlose Nachrichtenzyklen. Themen, die noch vor wenigen Jahren die Berichterstattung über Wochen und Monate hinweg bestimmt hätten, verschwinden rasend schnell aus dem öffentlichen Bewusstsein. Das gilt erst recht, wenn sie nicht auf die ein oder andere Weise mit Donald Trump verbunden sind.

Im Spätherbst blickte die internationale Gemeinschaft für einige wenige Tage in den Sudan, wo sich die laut Uno größte humanitäre Katastrophe der Welt zuträgt. Etwa 150.000 Menschen sind in dem Bürgerkrieg zwischen der Armee und der Miliz Rapid Support Forces (RSF) in den vergangenen zweieinhalb Jahren gestorben. Insbesondere die RSF-Truppen haben auf ihrem Eroberungsfeldzug in der Region Darfur Massaker begangen, unter anderem in einem Krankenhaus (mehr dazu hier).

Doch auf das Entsetzen, das diese Taten auch im Westen auslösten, folgte nichts. Der Sudan ist aus den Schlagzeilen weitgehend verschwunden. Dabei geht das Morden weiter, wie mein Kollege Fritz Schaap analysiert. Die RSF-Miliz rückt in den Kordofan-Regionen vor, Beobachter werfen ihr erneut Kriegsverbrechen vor. US-Außenminister Marco Rubio hat nun angekündigt, in den kommenden Wochen einen neuen Anlauf in Verhandlungen über einen Waffenstillstand nehmen zu wollen. Was zu tun ist, ist eigentlich klar: Die Staatengemeinschaft muss Druck auf die Sponsoren dieses Kriegs, allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate, ausüben, damit diese ihre Unterstützung für die Konfliktparteien einstellen.

  • Mehr Hintergründe hier: Die reichsten Staaten der Welt verstärken die sudanesische Flüchtlingskrise 

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  • Europa lässt sich wieder erpressen – dieses Mal von den USA und Katar: Die neuen Energiepartner der EU stören sich an den hiesigen Umwelt- und Klimagesetzen. Also greifen sie zu einem alten Trick: Sie drohen mit Lieferengpässen. Und es funktioniert. 

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Gewinner des Tages…

...sind die Fußballfans in Afrika. Nachdem am Sonntag der Afrika-Cup mit dem Spiel Marokko gegen die Komoren offiziell eröffnet wurde, beginnt an diesem Montag das Turnier so richtig. Es treffen unter anderem Südafrika und Angola aufeinander. Während der Wettbewerb im Rest der Welt eher wenig Aufmerksamkeit erfährt, bedeutet er den Menschen vor Ort sehr viel, schreibt mein Kollege Bastian Midasch. Man dürfe nicht unterschätzen, »wie wichtig der Afrika-Cup« für die Spieler sei, sagte unlängst auch der Trainer des FC Bayern München, Vincent Kompany.

  • Mehr Hintergründe hier: Darum sollten Sie den Afrika-Cup nicht verpassen

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Justiz stellt gelöschtes Foto mit Bezug zu Donald Trump wieder online: Ein Bild in den Epstein-Files zeigt den US-Präsidenten umgeben von Frauen. Doch kurz nach der Veröffentlichung am Freitag fehlte es plötzlich im Datensatz. Nun hat sich das Justizministerium dazu erklärt.

  • BKA registriert in diesem Jahr mehr als tausend verdächtige Drohnenflüge: Seit Jahresanfang erfasst das Bundeskriminalamt Fälle von verdächtigen Drohnen über militärischen Einrichtungen oder Flughäfen. Nun spricht der BKA-Chef über konkrete Zahlen – und die Schwierigkeit, die Verantwortlichen zu enttarnen.

  • Australiens bevölkerungsreichster Staat will Waffengesetze verschärfen: Die Attacke am Bondi Beach hat den Bundesstaat New South Wales erschüttert: Dem Parlament in Sydney liegen nun neue Vorschriften für Schusswaffen vor. Auch die Geheimdienste sollen auf den Prüfstand.

Heute bei SPIEGEL Extra: Drei unkomplizierte Kniffe – gleich weniger Chaos im Job

Neues Jahr, neue Vorsätze: Einer davon könnte sein, Aufgaben besser zu strukturieren und effizienter zu arbeiten. Diese drei Methoden helfen mir – und vielleicht auch Ihnen ?

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Maximilian Popp, stellvertretender Ressortleiter Ausland

Kremlchef Putin bei seiner Jahresend-Pressekonferenz

Foto: Alexander Kazakov / REUTERS

Flugzeugträger USS »Gerald R. Ford« (Ende Juli im Ionischen Meer): Druck auf Maduro

Foto: ZUMA Press Wire / IMAGO

Vertriebene im Sudan: Größte humanitäre Katastrophe der Welt

Foto: Mohammed Jammal / UNICEF / AP / dpa

Eröffnungsfeier des Afrika-Cups

Foto:

Abdel Majid Bziouat / AFP

Foto: Viktor Solomin / Stocksy

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