Zoff ums verschärfte Asylrecht
Krise in der Karibik
Seltsame Welt. Russlands Außenminister Sergej Lawrow, dessen Land seit bald vier Jahren einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, beklagte soeben mit seinem venezolanischen Kollegen die »Aggressionen und flagranten Verstöße gegen das Völkerrecht«. Gemeint sind Donald Trumps USA, gemeint sind die Drohungen gegen Venezuela und die Angriffe auf Schiffe, die angeblich in den Drogenhandel verwickelt sind. (Sehen Sie hier unseren Faktencheck).
Trumps Ziel scheint dabei klar: So viel Druck aufbauen, dass sich Venezuelas linksnationalistischer Machthaber Nicolás Maduro zurückzieht – oder stürzt. (Lesen Sie hier mehr dazu).
Wie heißt es doch in Trumps neuer Sicherheitsstrategie: »Der übergroße Einfluss von größeren, reicheren und stärkeren Nationen ist eine zeitlose Wahrheit der internationalen Beziehungen.« Als groß, reich und stark sähe auch Kreml-Herrscher Wladimir Putin so gern sein Land, das Ex-US-Präsident Barack Obama einst als »Regionalmacht« verspottet hat.
So sind Putin und Trump zwar im Kampf gegen die internationale Ordnung Verbündete, im Uno-Sicherheitsrat treten ihre Botschafter heute allerdings gegeneinander an. Wohlgemerkt: in einem der symbolträchtigsten Gremien jener von beiden ins Visier genommenen regelbasierten Ordnung. Der Sicherheitsrat berät in einer Dringlichkeitssitzung über die Spannungen zwischen den USA und Venezuela. Maduros Regierung hat die Sitzung mit Unterstützung Russlands und Chinas gefordert.
Mehr Hintergründe hier: Putin und Trump – zwei Schurken, ein Ziel
Ärger in der Koalition
Nicht einmal jeder dritte Wahlberechtigte hält die Arbeit der Merz-Regierung noch für gut oder sehr gut, wie eine SPIEGEL-Umfrage ergeben hat. Die Zahlen erinnern an die Zustimmungswerte der Ampelkoalition – allerdings in deren Spätphase. (Lesen Sie hier mehr).
Wie konnte das passieren? Bei einer Ursache sind sich alle Beteiligten einig: Öffentlichkeitswirksamer Streit dient der gemeinsamen Sache nicht. Und doch geht es nun nach dem großen Zoff ums Rentenpaket gleich kleinteilig weiter.
Diesmal dreht es sich um den Kampf gegen die illegale Migration. Die Umsetzung der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, kurz Geas, hat es vor Weihnachten nicht auf die Tagesordnung des Bundestags geschafft. Weil sich die SPD quergestellt hat. Die auf europäischer Ebene verabredete Reform bedeutet eine spürbare Verschärfung der deutschen Asylpolitik. »Für Teile der SPD ist das eine Zumutung«, schreiben meine Kollegen Paul-Anton Krüger und Andreas Niesmann.
Die Koalitionäre sind sich uneins über die Frage, wie viel Aufenthaltspflicht und Einschränkung der Bewegungsfreiheit es in den noch einzurichtenden Asylzentren geben soll. Und die Konfliktlinie verläuft nicht nur zwischen Roten und Schwarzen, sondern auch innerhalb der SPD. »Die Innenpolitiker und Landesinnenminister der SPD können sich Vorgaben vorstellen, die für Teile der Bundestagsfraktion ein Tabu sind«, erklärte mir Andreas. Wird der Streit im neuen Jahr nicht gelöst, muss wieder mal der Koalitionsausschuss ran.
Die ganze Geschichte hier: Weniger Bewegungsfreiheit für Flüchtlinge? Da zoffen sich SPD und Union
O weh, Tannenbaum
Haben Sie schon einen? Oder kaufen Sie Ihren Weihnachtsbaum heute auf den letzten Drücker? Das ist in diesem Jahr womöglich nicht so einfach wie gewohnt, denn europaweit fehlen Weihnachtsbäume. Und das liegt auch an Dänemark. Mein Kollege Jan Petter hat sich dort umgesehen und berichtet, dass das kleine Land halb Europa mit den begehrten Nordmanntannen versorgt: »Allein von dort kommen jedoch eine Million weniger Bäume, so heißt es von Danske Juletræer, dem Branchenverband der dänischen Weihnachtsbaum-Industrie«, berichtet Jan.
Woran liegt’s? Am Klimawandel, an Dürren und Frost, an der wachsenden Nachfrage aus Asien – und am perfektionistischen Nordmanntannen-Schönheitsideal der Leute. Jan hat Svend Christiansen besucht, der für ein Unternehmen arbeitet, das 14 Millionen Tannen auf seinen Plantagen hat. Millionen! Viele Weihnachtsbäume, die in diesem Jahr fehlten, seien die späten Opfer einer Dürre im Sommer 2018, hat er Jan erzählt: »Das Geschäft mit den Tannen ist extrem. Sie wachsen ein Jahrzehnt und stehen nur Tage.«
Die ganze Geschichte hier: Warum Weihnachtsbäume dieses Jahr so teuer sind – oder hässlich
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Das Zitat des Tages ...
... handelt vom Tag vor Heiligabend. Im Monumentalwerk »Jahrestage« lässt Uwe Johnson seine nach New York ausgewanderte Heldin Gesine Cresspahl am 23. Dezember 1967 einen Brief an ihren früheren Englischlehrer im Mecklenburgischen schreiben. Der Brief also geht in die DDR und Gesine ist im Erklärmodus in Sachen amerikanischer Vorweihnachtszeit: »Die optische Belästigung beginnt ungerechtfertigt früh, bis zu vier Wochen vorher. Der Kommerz schlägt als erster zu, nicht nur mit der gezielten Dekoration.« Die Kaufhäuser würden den Kunden »auch noch akustisch« einhämmern, aus welchem Grunde sie ihr Geld hergeben sollten.
»Schließlich stellt noch die schäbigste Bar einen elektrifizierten Winzling von Weihnachtsbaum zwischen die Flaschen.« Thanks, Gesine. Kennen wir natürlich mittlerweile alles aus eigener Anschauung. Jeder gute oder schlechte Trend aus den USA landet schließlich früher oder später bei uns an. Fürs Jahr 2026 sind uns allen insgesamt weniger US-Moden hierzulande zu wünschen. Insbesondere mit Blick auf die fünf anstehenden Landtagswahlen.
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Trump ruft offenbar weltweit Diplomaten der Biden-Ära zurück: Die US-Regierung will nach Berichten von CNN oder »Politico« Dutzende Diplomaten abberufen, die unter Joe Biden ernannt wurden. Aus dem Außenministerium heißt es, die »America First«-Agenda müsse in allen Botschaften gelten.
Ermittler in Gießen sehen Hinweis auf Erkrankung des Fahrers: Die Polizei hat ihre Angaben zu dem Vorfall mit vier Verletzten in Gießen präzisiert: Demnach fuhr der Mann doch nicht in eine Bushaltestelle, sondern in den Gegenverkehr. Der Hintergrund könnte medizinischer Natur sein.
US-Ministerin Noem nennt Sturz von Präsident Maduro als Ziel: Die USA gehen hart gegen Venezuela vor – bisher mit dem Verweis auf angebliche Drogenvergehen. Nun allerdings plaudert Heimatschutzministerin Noem bei Fox News aus, was tatsächlich hinter der Eskalation steckt.
Heute bei SPIEGEL Extra: Worauf Sportler bei Bluthochdruck achten müssen
Bluthochdruck ist ein Gesundheitsrisiko, das sich durch Bewegung senken lässt. Wie das perfekte Training dafür aussieht und welche Wechselwirkungen es mit Medikamenten gibt, erklärt unsere Expertin für Sportmedizin .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Sebastian Fischer, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
US-Flugzeugträger USS »Gerald R. Ford« in der Karibik, vor den Amerikanischen Jungferninseln
Foto: Seaman Abigail Reyes / U.S. Pentagon / dpaKoalitionsspitzen Dobrindt, Klingbeil, Merz
Foto: Tobias Schwarz / AFPNordmanntanne im Jahr 2025
Foto: Pia Bayer / dpaSchriftsteller Johnson
Foto: picture alliance / dpaLeah Flores / Stocksy United