Dieser Fisch wandert 11.000 Kilometer durch Südamerika – was sein Schicksal besiegeln dürfte
Wandernde Süßwasserfische sind aufgrund menschlicher Aktivitäten weltweit stark bedroht. Das geht aus einem neuen Bericht der Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS), einem Uno-Umweltabkommen zum Schutz wandernder Tierarten, hervor. Gründe dafür seien etwa der Bau von Staudämmen, Kanälen und Brücken sowie die Wasserverschmutzung, Überfischung und der Klimawandel.
Viele Wanderfische sind auf lange, ununterbrochene Flusskorridore angewiesen, die sich über mehrere Länder erstrecken. Werden diese Wege unterbrochen oder Flüsse in ihrem Lauf verändert, trockengelegt oder ihr Ufer betoniert, können Populationen rapide einbrechen. Der Bericht wurde am Dienstag auf der 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP15) im brasilianischen Campo Grande vorgestellt und listet fast 15.000 wandernde Süßwasserfischarten auf.
»Viele der großen Tierwanderungen der Welt finden unter Wasser statt. Dieser Bericht zeigt, dass wandernde Süßwasserfische in ernsthafter Gefahr sind«, sagt Leitautor des Berichts Zeb Hogan. Laut dem »Global Assessment of Migratory Freshwater Fishes« sind die Bestände wandernder Süßwasserfische seit 1970 weltweit um rund 81 Prozent zurückgegangen. Von den 58 bereits unter dem CMS-Abkommen gelisteten Wanderfischarten sind demnach 97 Prozent vom Aussterben bedroht. Die Autoren des Berichts identifizierten nun 325 weitere Arten als Kandidaten für koordinierten internationalen Schutz.
Besonders gefährdet sind Arten in Asien, wo allein 205 der 325 Kandidaten vorkommen. Flussgebiete mit vielen bedrohten Arten sind laut dem Bericht der Mekong in Asien, das Amazonasdelta und das La-Plata-Paraná-System in Südamerika, die Donau in Europa, der Nil in Afrika sowie Ganges und Brahmaputra auf dem indischen Subkontinent.
Für das Amazonasbecken, Austragungsort der derzeitigen COP15, wurden 20 Wanderfischarten als Kandidaten für einen besonderen Schutzstatus vorgeschlagen. Sie machen rund 93 Prozent der Fischereierträge des Amazonas aus, die auf jährlich rund 436 Millionen US-Dollar geschätzt werden.
In Südamerika lebt auch der Rekordhalter unter den wandernden Süßwasserfischen: Der Brachyplatystoma rousseauxii aus der Familie der Antennenwelse. Er legt auf seinem Weg von den Anden bis zur Küste ganze 11.000 Kilometer zurück – die längste bekannte Süßwassermigration der Welt. Sein Lebensraum ist durch Staudämme und Überfischung bedroht, die Bestände im gesamten Amazonasbecken sinken. Die Länder, durch die der Wels schwimmt, planen laut dem Uno-Bericht daher einen grenzüberschreitenden Artenschutzplan, der dem Fisch bestimmte »Wanderkorridore« gewähren soll, zudem soll es gemeinsame Fangquoten geben.
Peruanischer Junge mit einem Wels
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