Das ist der wohl größte Schatz der antiken Bürokratie
Die iranische Archäologin Shokouh Khosravi hat einen riesigen Fund von Überbleibseln eines antiken Verwaltungssystems im Westen des Landes dokumentiert. Sie beschreibt im Fachblatt »Antiquity« mehr als 7000 Siegelabdrücke, gut 200 Tonfiguren, Tonplättchen und zwei Zylinderverschlüsse vom Fundort Tapeh Tyalineh in der Provinz Kermanschah. Genau datiert wurden die Fundstücke noch nicht, sind laut der vorläufigen Begutachtung aber rund 5000 Jahre alt. Dies sei der »größte bekannte Bestand an Artefakten der Verwaltung aus der späten Vorgeschichte der antiken Welt«, heißt es darin.
Khosravi von der Universität Kurdistan in Sanandadsch sieht in dem Fund einen Beleg, dass Tapeh Tyalineh in der Bronzezeit ein bedeutendes Handelszentrum gewesen sein müsse. Wie an anderen Orten auch, entstand eine frühe Bürokratie, um den Warenhandel und die Lagerung zu dokumentieren. Die Siegel wurden zum Verschließen von Türpfosten an Lagerräumen, Säcken, Krügen und Quittungen verwendet. Obwohl noch Analysen ausstehen, dienten diese Siegel wahrscheinlich dem Transport, der Lagerung und dem Austausch von Öl, Wein und Bier.
Ähnliche Funde schon aus früherer Zeit sind aus anderen Regionen des Nahen Ostens bekannt – aber keine so großen, und nicht aus dem Hochland im Nordwesten Irans. Vermutlich standen die Bewohner des Ortes mit über 150 anderen Händlern oder Einzelpersonen in Kontakt, leitet die Archäologin aus den Inschriften ab.
Freigelegt wurden erste Siegelabdrücke ab 1998, als ein Anwohner unerlaubt den Boden auf dem Gelände abtrug. »Leider wurden zwischen einem und zwei Metern der oberen Schichten des Hügels auf einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern von den Dorfbewohnern zerstört«, kommentierte Khosravi. »Zudem hat das jährliche Pflügen der Oberfläche durch die Bauern den archäologischen Überresten erheblichen Schaden zugefügt.« 2023 und 2024 legten Archäologen in fünf Gräben die nun dokumentierten Relikte frei.