Viele trauern um Tiere ähnlich stark wie um Menschen

Wenn geliebte Personen sterben, trauern Menschen. Bei Hunden, Katzen oder anderen Tieren ist das ganz ähnlich, darauf weist eine Studie im Fachmagazin »Plos One«  hin. »Für viele Menschen ist der Verlust eines Haustieres schlimmer als der Verlust eines Menschen«, schreibt Studienautor Philip Hyland von der Maynooth University in Irland.

Für die Analyse wurden im Vereinigten Königreich im März 2024 insgesamt 975 Erwachsene befragt, die repräsentativ für die Bevölkerung sein sollen. Rund ein Drittel von ihnen (32,6 Prozent) hatte bereits den Tod eines geliebten Haustieres erlebt, fast alle hatten zudem einen menschlichen Verlust erfahren. Wurden sie nach dem schmerzlichsten Verlust gefragt, entschieden sich 21 Prozent der Betroffenen für ihr Haustier – auch, wenn sie Todesfälle von Eltern, Geschwistern oder engen Freunden erlebt haben.

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen, 7,5 Prozent, war die Trauer so stark, dass dies als anhaltende Trauerstörung eingestuft wurde. Die Rate ist vergleichbar mit der Trauer nach dem Tod eines nahen Familienmitglieds wie Großeltern oder engen Freunden. Betroffene leiden dann unter »Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren, und intensiven Gefühlen von Traurigkeit, Wut oder Sehnsucht, mit deren Bewältigung sie allein nicht zurechtkommen«.

Wie Familienmitglieder

Entscheidend sei, welchen Stellenwert das Tier für uns einnehme, erklärt Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die nicht an der Studie beteiligt war. Viele würden Haustiere als Familienmitglieder sehen. »Wenn ich in einer Kultur lebe, in der den Tieren ein so zentraler emotionaler Stellenwert zugemessen wird, dann ist es total verständlich, dass um sie auch wie um ein Familienmitglied getrauert wird.«

Hinzu kommt: Die Beziehung zu Haustieren ist häufig frei von Konflikten, Erwartungen oder sozialen Rollen. Tiere hören zu, bewerten nicht, sind konstant präsent. Gerade für ältere Menschen, Besitzer von Begleithunden oder Personen mit wenig sozialen Kontakten, können Haustiere so zu zentralen Bindungspartnern werden. Stirbt das Tier, bricht nicht nur die emotionale Beziehung weg, auch der Alltag verändert sich gravierend: Spaziergänge, Fütterungszeiten, Begegnungen mit anderen Menschen auf Gassirunden fallen plötzlich weg und werde entsprechend vermisst, sagte Trauerforscherin Bettina Doering.

Inwieweit sich die Ergebnisse der britischen Studie auf Deutschland übertragen lassen, ist unklar. Hierzulande gibt es bisher kaum Studien zum Thema. Klar ist: »Nur eine kleine Minderheit von Trauernden entwickelt eine anhaltende Trauerstörung«, sagte Doering. »Wir unterscheiden zwischen Trauer und anhaltender Trauerstörung und arbeiten als Psychotherapeuten nur mit Menschen zusammen, die ihre Trauer nicht selbstständig oder mithilfe ihres Umfelds bewältigen können. Da gibt es schwankende Schätzungen, aber es ist eindeutig eine Minderheit.«

Das könnte Ihnen auch gefallen