Reeder befürchten Folgen für Handelsschifffahrt
Die Handelsschifffahrt befürchtet, durch den aktuellen Militärkonflikt im Nahen Osten in Mitleidenschaft gezogen zu werden. »Die aktuelle Eskalation trifft das Herz globaler Seehandelsrouten – das spüren unsere Reedereien und ihre Besatzungen unmittelbar«, sagte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), dem SPIEGEL.
Deutsche Reedereien sind aktuell mit zahlreichen Schiffen in der Region unterwegs. Für sie und deren Crews schmieden viele Unternehmen derzeit Krisenpläne.
Gefahr für Lieferketten?
Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA, Israel und Iran findet in unmittelbarer Nähe bedeutender internationaler Seehandelswege und Umschlagplätze statt. So verläuft entlang der iranischen Küste insbesondere die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für fossile Energieträger. Eine Sperrung hätte schwere Konsequenzen für die Weltwirtschaft und könnte den Ölpreis in die Höhe treiben.
Die jüngste Eskalation erhöht laut VDR das Risiko möglicher Angriffe oder sicherheitsrelevanter Zwischenfälle auf See. Westlich des Persischen Golfs verläuft – zwischen Israel, der Arabischen Halbinsel und Nordostafrika – zudem eine der wichtigsten Handelsrouten zwischen Europa und Asien: der Seeweg durch das Rote Meer und den Suezkanal.
Die rund 300 in Deutschland ansässigen Reeder befürchten eine weitere Ausweitung der Konfliktdynamik mit erheblichen Risiken für die Handelsschifffahrt in der gesamten Region. »Unsere Schiffe stehen für offene Märkte und stabile Lieferketten, sie dürfen nicht in militärische Eskalationen hineingezogen werden«, verlangt Verbandschef Kröger.
Um die Sicherheit der Handeslsschifffahrt in der Region zu stärken hat der Rat der Europäischen Union erst kürzlich die Verlängerung der Militäroperation Aspides um ein weiteres Jahr beschlossen. Die Kapazitäten für die Begleitung von Schiffen durch europäische Marineeinheiten sind allerdings begrenzt, wie kürzlich etwa Rolf Habben Jansen, Vorstandschef der deutschen Reederei Hapag-Lloyd, sagte.
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