Anti-Israel-Demonstranten bestreiken Biennale-Pavillons

Der österreichische Beitrag zur diesjährigen Kunstbiennale, »Seaworld Venice«, hat mit viel nackter Haut und Fäkalien für Aufsehen gesorgt. An den Besichtigungstagen für Presse und Kunstwelt stand das Publikum Schlange, um das Werk der Performancekünstlerin Florentina Holzinger anzusehen. Lesen Sie hier  mehr über eine Weltkunstschau unter großem Einsatz (oft weiblicher) Körper.

Doch am Freitag standen sie beim österreichischen Pavillon vor geschlossenen Türen. Das berichten die »New York Times«  und der ORF .

Grund war ein breit angelegter Protest gegen die Teilnahme Israels an der Schau in Venedig. Die Aktivistengruppe »Art Not Genocide Alliance« (ANGA) hatte den Streik organisiert. Die Organisation hatte bereits einen offenen Solidaritätsbrief  für die Palästinenserinnen und Palästinenser an die Biennale-Leitung gerichtet, unterschrieben von 236 Teilnehmenden und »Kunstarbeitern«. Im Streikaufruf  richtete sie sich gegen »Artwashing« und »kulturelle Mitschuld an Gewalt«.

In einem Statement an die österreichische Nachrichtenagentur APA hieß es, das Team der »Seaworld Venice« im Österreich-Pavillon bestehe aus mehr als 17 Nationen. Einige Teammitglieder hätten sich dazu entschlossen, an dem Streik teilzunehmen, daher werde der österreichische Pavillon von 10 bis 19 Uhr geschlossen bleiben.

Laut »New York Times« seien auch die Ausstellungen aus Belgien, Ägypten, Japan, den Niederlanden und Südkorea am Freitag geschlossen geblieben. Die Hauptausstellung »In Minor Keys« hingegen blieb geöffnet; an einzelnen Kunstwerken seien aber Palästinaflaggen oder Poster befestigt gewesen.

Die Leitung der Biennale teilte der US-Zeitung mit, die Streiks beträfen »weder das Personal noch die Organisation« der Kunstschau. Man sei »entschlossen, einen geordneten Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten – aus Respekt vor der Meinungsfreiheit und der Pluralität der Standpunkte«.

Der Streit über den Umgang mit Russland und Israel schwelt bereits seit Wochen, unter anderem trat die Jury der Biennale geschlossen zurück. Die übliche Vergabe der Goldenen Löwen zu Beginn der Schau wurde abgesagt. Die Preise sollen jetzt erst am letzten Tag der Ausstellung im November vergeben werden. Entscheiden wird darüber keine Jury mehr, sondern eine Abstimmung unter den Besuchern und Besucherinnen.

Auch gegen die Teilnahme Russlands hatte es Proteste gegeben. Am Mittwoch demonstrierten die Aktivistinnen von Pussy Riot und Femen vor dem russischen Pavillon. Lesen Sie hier  eine Expertenmeinung dazu, was solche Demonstrationen wirklich bringen.

Performance-Szene aus österreichischem Beitrag »Seaworld Venice« (am Dienstag)

Foto: Marco Bertorello / AFP

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