ORF nimmt Kampusch-Doku nach Protesten aus dem Programm

Der österreichische ORF hat eine angekündigte Spezialsendung über Natascha Kampusch nach Protesten vorerst zurückgezogen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt begründet die Entscheidung mit »unterschiedlichen Auffassungen betreffend die Persönlichkeitsrechte« der heute 38-Jährigen, wie die österreichische »Kronen-Zeitung« berichtet. Man wolle die rechtliche Situation zunächst abschließend klären. Zuvor hatte es scharfe Kritik an der geplanten Ausstrahlung gegeben.

Die Dokumentation mit dem Titel »Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit« hätte am kommenden Montag um 20.15 Uhr auf ORF 2 anlässlich des 20. Jahrestags ihrer Selbstbefreiung gesendet werden sollen. Sie sollte sich mit dem heutigen Leben des einstigen Entführungsopfers befassen, inklusive Verweisen auf ihren Gesundheitszustand. Tatsächlich soll es Kampusch nicht gut gehen, ihre Familie hatte in der vergangenen Woche einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch öffentlich gemacht.

Auch deshalb hatten die Ankündigung und Bewerbung des Films scharfe Kritik ausgelöst. Medienrechtsanwältin Maria Windhager sprach von einer »massiven Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches«. Laut dem österreichischen »Standard« äußerten sich auch Kampuschs Ärzte gegen das Projekt. Die Opferhilfeorganisation »Weißer Ring« begrüßte das Aussetzen der Sendung und verwies darauf, dass man dem ORF bereits zuvor Bedenken mitgeteilt und rechtliche Schritte geprüft habe. Berichterstattung über von schwerer Gewalt betroffene Menschen könne zu heftigen Retraumatisierungen führen – insbesondere, wenn sie sich ohnehin in einer psychisch belasteten Lage befinden.

Natascha Kampusch war 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg in Wien von dem Techniker Wolfgang Priklopil entführt worden. Priklopil hielt sie über acht Jahre lang in einem Verlies unter seinem Haus fest, Kampusch gelang erst 2006 die Flucht. Kurz darauf nahm sich Priklopil das Leben. Der Fall ist einer der bekanntesten Kriminalfälle Europas jener Zeit.

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