US-Sender CNBC plant deutschsprachigen Ableger

Es ist eine international bekannte Marke für Wirtschafts- und Finanznachrichten: CNBC ging unter diesem Namen (kurz für Consumer News and Business Channel) 1989 in den USA auf Sendung. Heute gibt es eine Vielzahl von regionalen Ablegern des Nachrichtensenders.

Im nächsten Jahr soll nun für den deutschsprachigen Raum ein weiterer hinzukommen: CNBC DACH.

Die Pläne kündigte der Präsident von CNBC International, Craig Bengtson, am Mittwoch gemeinsam mit drei lokalen Gesellschaftern an. Dabei handelt es sich um den österreichischen Investor Alexander Schütz, den aus Ungarn stammenden Chef des Schweizer Energieunternehmens MET Group, Benjamin Lakatos, und den in Österreich lebenden Medienunternehmer Rusmir Nefic.

200 neue Mitarbeiter

Geplant ist eine Plattform, die ihre Inhalte über einen TV-Kanal, digitale Angebote, soziale Medien und sogar Printmedien publizieren soll. Internationale Kapitalmarktberichterstattung werde mit fundierter, regionaler Berichterstattung verbunden, heißt es in der Mitteilung . Dabei liege der Schwerpunkt auf den Akteuren der Wirtschafts- und Finanzmärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Zum Start seien Standorte in Frankfurt, Wien und Zürich geplant, heißt es, auch in Berlin und München soll es Büros geben. Sitz der Holdinggesellschaft von CNBC DACH ist Wien. Deren Gründer Rusmir Nefic kündigte in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«  an, man wolle 200 Mitarbeiter einstellen, rund 100 davon in Deutschland, vor allem in Frankfurt am Main. Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden stehen allerdings noch aus.

Rusmir Nefic ist gebürtiger Bosnier, lebt laut der »Kleinen Zeitung«  heute aber im österreichischen Schladming. Nach eigenen Angaben hat Nefic bereits für CNN, Bloomberg und Euronews Markenplattformen aufgebaut, hauptsächlich im Balkan- und Adriaraum. Ein deutschsprachiges CNBC aufzubauen, fühle sich für ihn persönlich an »wie der Gewinn des vierten Major-Turniers im Golf, der den Grand Slam komplettiert«, schreibt Nefic auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn .

Nefic sieht CNBC DACH als speziell für Wirtschaftsleute ausgerichteten Nachrichtensender: »Ich liebe CFOs«, zitiert ihn die »FAZ«. Die Finanzvorstände sollten bei seinem Portal zu Wort kommen – in ihrer Sprache und für ihresgleichen.

Langjähriger Förderer von Sebastian Kurz

Sein österreichischer Mitgesellschafter Alexander Schütz ist Gründer der Wiener C-Quadrat Investment Group, er wird unter anderem auch als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank vorgestellt. Schütz trat 2021 aus dem Gremium aus, nachdem im Wirecard-Untersuchungsausschuss eine Mail öffentlich geworden war, in der Schütz Ex-Wirecard-Chef Markus Braun ermutigt hatte, die kritisch berichtende »Financial Times« »fertigzumachen«.

Schütz ist ein langjähriger Unterstützer und Förderer des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz, mit dem er auch eine gemeinsame Investmentgesellschaft gegründet hat. Des Weiteren hält der einstige ÖVP-Großspender laut »Standard« auch eine kleine Beteiligung am rechten Krawallportal »Exxpress«, das seine Ehefrau Eva Schütz gegründet hat. Hauptgesellschafter des »Exxpress« ist der Koblenzer Unternehmer Frank Gotthardt, der hinter der rechtspopulistischen Plattform »Nius« von Chefredakteur Julian Reichelt steht.

Der dritte lokale Investor von CNBC DACH ist Benjamin Lakatos, laut »Forbes«  einer der 30 reichsten Ungarn. Lakatos ist Mehrheitseigner und Executive Chairman der im Schweizer Kanton Zug ansässigen MET Group, eines Energieunternehmens, das mit Rohstoffen wie Gas handelt.

In den USA zählt CNBC zu den Sendern, von denen sich der langjährige Eigner NBCUniversal (der zum Konzern Comcast gehört) im Laufe des Jahres 2025 getrennt hat. Nun werden die Kabelkanäle wie das USA Network, MS Now (ehemals MSNBC) und eben CNBC von dem neu gegründeten Unternehmen Versant Media gehalten. Ein ähnliches Modell zur Abspaltung der linearen TV-Sender plant offenbar auch Netflix bei seinem geplanten Kauf des Medienkonzerns Warner Bros.

CNBC-DACH-Anteilseigner Lakatos, Nefic, Schütz: »Grand Slam komplettiert«

Foto: Adam Jeffrey / CNBC

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