Lizenz zum Schauspielen – so überzeugte Benicio del Toro seine Eltern von der Filmkarriere
Die Rolle des James Bond ist sehr groß, das weiß jeder. Jeder, der schon einmal einen Bond-Film gesehen hat, weiß aber auch: Genauso wichtig ist der Antagonist. Mehr noch als die Figur des Helden ist die des Gegenspielers oft nicht mit schauspielerischen Leichtgewichten, sondern Charakterdarstellern besetzt. Christopher Walken in »Im Angesicht des Todes« oder Christopher Lee in »Der Mann mit dem goldenen Colt« haben Maßstäbe gesetzt für das, was man gemeinhin »Bösewicht« nennt.
Es gibt noch eine dritte wichtige Rolle, und das ist der Gehilfe des Bösewichts, im Ganoven-Jargon auch »Handlanger« genannt. Oft sind die nur dazu da, dumm und stark zu sein, deppert und gemein. Vielleicht zeichnet das aber einen wirklich guten Schauspieler aus: aus dem vorgegebenen Rollenmuster auszubrechen und etwas völlig Neues, Entgrenztes zu machen.
So zumindest war es bei Benicio del Toro.
Die kleine Rolle in einem Bond-Film änderte alles
Der Schauspieler, der schon 2001 einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, ist nun wieder nominiert, für seine Performance in »One Battle After Another«. Del Toro gehört heute zu den besten Schauspielern seiner Generation. Nun verriet er in einem Interview mit dem »Hollywood Reporter«, dass seine Familie anfangs nicht begeistert war: »Ich musste eine Menge Widerstand überwinden, als ich versuchte, ein Schauspieler zu werden«, sagte er.
Die Rolle in »James Bond – Lizenz zum Töten« im Jahr 1989 habe alles verändert. »Ich sagte meiner Familie: Ich habe einen Job in einem Film bekommen, und als sie mich fragten, was für ein Film, antwortete ich: ein James-Bond-Film. Das kannten sie. Es war also der richtige Film zur richtigen Zeit, weil sie nicht froh darüber waren, dass ich schauspielern wollte«.
Del Toro war erst 21, als er »Dario« spielte. Er machte aus dem Handlanger die heimliche Hauptfigur des Films, und das, obwohl er kaum eine Zeile Text hatte. Nicht Timothy Dalton als Bond ist heute noch in Erinnerung, nicht die tonnenweise explodierenden Lastwagen voller Drogen, nicht mal der Bösewicht (wer hat den noch mal gespielt?) oder das Bond-Girl (dito). Sondern del Toros offenes Hemd, sein irrer Blick, seine nihilistische, verzweifelte Bosheit. Und sein Messer, das er flink und tödlich blitzen lässt, als wäre es ein Körperteil. Genutzt hat es natürlich nichts, er wird, handlangerstandesgemäß, von Bond in einen Häcksler geworfen und qualvoll zerfetzt.
»Erfolg«, sagt del Toro im Interview, »kann auf verschiedene Arten gemessen werden«. Seine Rolle als Dario hätte verpuffen können. Es war sicher nicht sein größter Film. Aber aller späterer Erfolg wäre ohne sie nicht möglich gewesen.
Del Toro in »Lizenz zum Töten« 1989
Foto:Moviestore Collection / action press