Strecke Köln–Hagen für fünf Monate dicht: ICE-Fahrten dauern deutlich länger
Wegen umfangreicher Bauarbeiten ist die wichtige Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen für gut fünf Monate dicht. Die Sperrung begann nach Angaben der Deutschen Bahn am Freitagabend wie geplant um 21.00 Uhr. Fernzüge nach Berlin und Hamburg werden bis Juli umgeleitet, Pendler müssen auf rund einem Dutzend Linien im Regionalverkehr in Ersatzbusse umsteigen und deutlich mehr Zeit einplanen.
Im Rahmen des 800 Millionen Euro teuren Projekts wird die Technik aber nicht komplett erneuert. »Eine Generalsanierung ist eine Sanierung und keine Neubaustrecke,« sagte eine Bahnsprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. So klammert die Bahn unter anderem die teils maroden Stellwerke entlang der 65 Kilometer langen Strecke aus. Diese könnten erst »weit in den 2030er Jahren erneuert werden.« Dabei sind einige in mangelhaftem oder sogar ungenügendem Zustand.
Fernzüge werden fünf Monate lang umgeleitet
Die Grünen hatten im Bundestag nach Details zu der Streckensanierung zwischen Köln und Hagen gefragt. Dabei wollten sie auch konkrete Angaben zu den Stellwerken haben. Die Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium war knapp: Es seien diesbezüglich »keine Maßnahmen vorgesehen«. Grünenabgeordneter Matthias Gastel sagte gegenüber der »Süddeutschen Zeitung«, die zuerst darüber berichtet hatte: »In Bezug auf die Stellwerke ist diese Generalsanierung eine Schummel-Sanierung«.
Dabei steht es um viele der acht Stellwerke in dem Abschnitt denkbar schlecht: Den Zustand von zwei Stellwerken in Wuppertal-Oberbarmen und Wuppertal-Steinbeck beschreibt das Bundesverkehrsministerium in seiner Antwort mit der Schulnote 6,0 – also glatt ungenügend. Das Stellwerk Hagen-Hauptbahnhof kommt auf eine 4,7, Solingen eine 4,6, Schwelm eine 4,5. Lediglich drei Stellwerke sind demnach gerade noch in befriedigendem Zustand.
Im Fernverkehr werden ICE-Züge von nun an von Köln in Richtung Berlin und Hamburg über das Ruhrgebiet umgeleitet – dadurch dauert die Fahrt etwa 20 bis 40 Minuten länger. In Wuppertal und Solingen halten bis zum 10. Juli überhaupt keine Fernzüge. Hagen wird bis zum 15. Mai vom Fernverkehr abgeschnitten. Reisenden empfiehlt die Bahn, während der fünfmonatigen Sperrung in der Online-Auskunft zu schauen, wie sie trotzdem an ihr Ziel kommen. Dort seien alle Änderungen berücksichtigt.
Im Regionalverkehr können während der Bauarbeiten auf einem Teil der Strecke zeitweise einige Züge über die S-Bahn-Gleise fahren. Dennoch werden viele Fahrgäste auf Ersatzbusse ausweichen müssen. Die sollen laut Bahn zwar im dichten Takt fahren, brauchen aber drei- bis viermal so lang wie ein Zug.
Gleichzeitig wird im Ruhrgebiet am Freitagabend die Sperrung der zweiten wichtigen Ost-West-Verbindung im nordrhein-westfälischen Bahnverkehr aufgehoben: Züge können dann wieder zwischen Duisburg, Essen und Oberhausen fahren. Die Strecke zwischen Rheinland und Ruhrgebiet war wegen Bauarbeiten am Autobahnkreuz Kaiserberg in den vergangenen vier Wochen gesperrt.