Experten erwarten nur ein Strohfeuer für die Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft ist nach zwei Rezessionsjahren in Folge 2025 erstmals wieder leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag ‌in Berlin mitteilte. 2024 hatte es einen Rückgang von 0,5 Prozent gegeben, 2023 von 0,9 Prozent. Auch im letzten Quartal 2025 dürfte die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen sein, wie Destatis weiter mitteilte.

Nach Einschätzung von Ökonomen dürfte die Konjunktur 2026 endlich wieder mehr Fahrt aufnehmen. Allerdings sehen sie darin nur wenig Grund zur Hoffnung auf nachhaltiges Wachstum. Denn an den Strukturen hat sich immer noch wenig geändert.

»Das Jahr 2025 wird zum ⁠Glück absehbar aber ‍das letzte Jahr mit einer derart schlechten Wirtschaftsentwicklung sein«, erklärt etwa Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung. Deutschland werde sich 2026 aus der jahrelangen Rezession und Stagnation herausarbeiten, wenn auch das Wachstum noch etwas verhalten bleiben dürfte. »Ein erstes Zeichen für die Wachstumsbeschleunigung ist das Plus von 0,2 ​Prozent für das Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2025.«

Für Alexander Krüger vom Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe bestätigt jedoch schon das leichte Wachstum im vergangenen Jahr den wirtschaftlichen ⁠Niedergang. »Es spricht Bände, dass die Wirtschaftsleistung nur so hoch ist wie vor der Pandemie. Der mangelnde Reformwille der Politik fällt der Wirtschaft erneut auf die Füße. Für die Politik ist die Aufrechterhaltung des Sozialstaats wichtiger als der Betrieb einer aggressiven Standortpolitik.« Durch den ⁠US-Zollschock und den intensiven Wettbewerb mit China werde es die exportorientierte Industrie deshalb weiter schwer haben.

»Beunruhigend ist, dass die Politik generell keine Strategie hat, um sich in der wandelnden Welt zu behaupten«, fügt Krüger in seiner Kurzanalyse hinzu. »Das Doping mit dem Fiskalpaket ‌hellt die Konjunkturperspektiven grundsätzlich auf. Wegen der vielfach auch ‍konsumtiven Verwendung der Finanzmittel sieht es nur nach einem konjunkturellen Strohfeuer aus. Ein Heilmittel gegen Stagnation ist das Fiskalpaket nur bei einer investiven ‍Verwendung. Werden Reformen nicht bald umgesetzt, werden Verteilungskämpfe intensiver.«

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, schreibt bereits das Wachstum im letzten Quartal 2024 der Schuldenpolitik der Bundesregierung zu. »Wegen der sehr expansiven Fiskalpolitik der Bundesregierung wird ‍das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden Quartalen wohl weiter zulegen. Allerdings dürften die Zuwächse verhalten ausfallen, weil die Unternehmen ⁠über das ​Ausbleiben breitbasierter Reformen enttäuscht sind und sich bei Investitionen weiter zurückhalten. Das viele Geld des Staates fällt nicht auf fruchtbaren Boden. Nicht umsonst sind Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima zuletzt ​wieder gefallen.«

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