Zara und Co. richten den Altkleidermarkt zugrunde

Billige Kleidung, in immer kürzerem Abstand produziert, setzt den Altkleidermarkt zunehmend unter Druck. Laut einem Gutachten für den Verband kommunaler Unternehmen geraten Sammel- und Verwertungssysteme hierzulande an ihre Grenzen: Eine wachsende Zahl aussortierter Textilien ist demnach von mangelhafter Qualität, was eine Wiederverwertung schwierig mache.

Hierzulande gebe es »tradierte und bewährte Sammelstrukturen«, heißt es weiter. Die Getrenntsammelquote in Deutschland liegt nach Angaben des Dachverbands FairWertung bei 64 Prozent – im EU-Durchschnitt bei etwa 15 Prozent.

Insgesamt werde hierzulande eine Wiederverwendungs- und Verwertungsquote von über 90 Prozent erreicht. Dazu zählt auch das Recycling von Altkleidern, etwa als Material für Putzlappen und Dämmstoffe. Laut FairWertung ist der Bedarf an diesen Produkten jedoch begrenzt; der Schlüssel liege daher darin, aus recycelten Textilfasern neue Kleidung herzustellen. Eine entsprechende Sortierung können dem Gutachten zufolge nur die kommunalen Entsorger sicherstellen – unter Einbindung sozialer Träger, die noch brauchbare Altkleidung an Bedürftige weitergeben.

Kunstfasern bereiten Probleme

Besonders problematisch sind laut dem Gutachten Mischgewebe, Kunstfasern und stark abgenutzte Teile aus der Fast-Fashion-Produktion. Daher müssten Hersteller von staatlicher Seite aus stärker in die Pflicht genommen werden. Sinnvoll sei dafür ein staatlich kontrolliertes Textilienregister.

Das Gutachten empfiehlt zudem, dass Textilproduzenten die Sammlungskosten mittragen müssten: Sie dürften nicht bei Kommunen oder gemeinnützigen Organisationen bleiben. Der Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen, Uwe Feige, betonte: »Wer immer schneller immer mehr Billigware auf den Markt bringt, muss auch die Verantwortung für die Folgen übernehmen.« Das bisherige System funktioniere organisatorisch – finanziell jedoch nicht mehr.

Billig-Produzenten in der Pflicht

Vor einem Jahr war die Getrenntsammlungspflicht für Textilabfälle in Kraft getreten; spätestens 2028 soll die erweiterte Herstellerverantwortung kommen. Sie wird planmäßig eine Gebühr für große Modeketten wie H&M, Zara und Co. bringen, um damit das Recycling oder die Entsorgung der von ihnen produzierten Kleidung zu finanzieren.

Bereits im Sommer hatten gemeinnützige Sammler wie die Malteser oder das Deutsche Rote Kreuz Alarm geschlagen, weil sich die Kosten für Containerstellung, Sammlung und Verwaltung kaum mehr stemmen ließen. Wenn Altkleidung jedoch ausschließlich im Restmüll lande, sei dies schlecht für die Umwelt – und auch sozial. Feige fordert zudem eine sogenannte Ökomodulation in der Gesetzgebung: »Langlebige, reparierbare oder gut verwertbare Textilien sollten finanziell begünstigt werden, während schwer recycelbare Fast-Fashion-Produkte höhere Beiträge auslösen müssten.«

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