»In dieser Brutalität noch nicht gesehen« – Skistar Lindsey Vonn stürzt schwer
Heftiger Unfall statt Medaillenkrönung: Ski-Superstar Lindsey Vonn ist bei der Abfahrt der Olympischen Winterspiele schwer gestürzt. Die 41 Jahre alte Amerikanerin kam schon im Anfangsteil der Strecke zu Fall, überschlug sich und blieb liegen. Bei der TV-Übertragung war zu hören, wie Vonn vor Schmerzen schrie. Helfer und Sanitäter eilten zu ihr und bereiteten einen Abtransport der Sportlerin vor. Ein Helikopter holte sie per Seilwinde ab.
Vonn war im zweiten Winter nach ihrem Comeback die beste Abfahrerin der Saison, hatte sich aber just vor den Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo nach eigenen Angaben einen Kreuzbandriss zugezogen. Sie wagte dennoch einen Start.
Dann aber hakte sie etwa 13 Sekunden nach dem Start bei einem Sprung mit dem Arm an einem Tor ein und verlor in der Luft die Kontrolle. Sie schlug heftig auf der Piste auf, ihre Knie schienen sich dabei zu verdrehen. Vonn fuhr mit einer Teilprothese im rechten Knie, das linke Knie – jenes mit dem Kreuzbandriss – wurde von einer Schiene gestützt.
Nach dem Sturz hielten die Zuschauerinnen und Zuschauer im Zielbereich den Atem an. Unter ihnen waren auch Vonns Vater und ihre Schwester. Auch Rapstar Snoop Dogg war in die Dolomiten gekommen.
»Das war die Angst, die ich hatte«
»Sie hat das Risiko oben definitiv schon genommen. Das war die Angst, die ich hatte, dass sie für dieses eine Rennen so versucht, übers Limit drüber zu gehen«, sagte Ex-Profi Felix Neureuther in der ARD. »Wenn du so schwer verletzt warst und auch ohne Kreuzband fährst, musst du auch mental über dich hinauswachsen, dass du eine Chance hast.« ARD-Kommentator Bernd Schmelzer sprach von einem Sturz, den er in fast 40 Jahren »in dieser Brutalität noch nicht gesehen« habe.
Eine Diagnose nach ihrem Sturz gab es zunächst nicht. Das Rennen war für längere Zeit unterbrochen.
»Ich habe gleich weggeschaut«, sagte Emma Aicher. Die beste deutsche Rennfahrerin gewann die erste Medaille für die deutsche Mannschaft. Hinter Weltmeisterin Breezy Johnson aus den USA fuhr Aicher zu Silber, ihr Rückstand betrug nur 0,04 Sekunden. Bronze ging an die Italienerin Sofia Goggia (+0,59 Sekunden), Super-G-Olympiasiegerin von 2018.
Ein Helikopter holte Lindsey Vonn ab
Foto: Lisi Niesner / REUTERS