Wie blutleer kann man spielen und trotzdem (fast) immer gewinnen?

Volkes Stimme: Der BVB führte zur Pause 1:0 – und musste sich beim Gang in die Kabine dennoch die Pfiffe des Dortmunder Publikums anhören. In Dortmund sind sie nach den vergangenen Jahrzehnten anspruchsvoll geworden. Es reicht längst nicht mehr, zu gewinnen. Sie sollen es auch so tun, dass es das Herz anspricht und man begeistert nach Hause geht. Begeistert und Kovac-Fußball, das passt allerdings kaum zusammen. Der Fußball von Borussia Dortmund ist unter Trainer Niko Kovač sterbenslangweilig geworden. Man kann es auch effizient nennen.

Resultate des Spieltages: Borussia Dortmund hat Werder Bremen 3:0 (1:0) besiegt und festigt Tabellenplatz zwei. Im Parallelspiel bezwang Mainz 05 im Absteigico den 1. FC Heidenheim 2:1 (1:0). Und zuvor hatte der VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt 3:2 gewonnen. Und wenn Sie die Partie Hamburger SV gegen Bayer Leverkusen vermissen: Das Spiel wurde kurzfristig abgesagt. Das Tauwetter bot zu großes Risiko. Offizielle Begründung: statische Mängel. Nach den Aufregungen um die unschönen Umstände des Abgangs von Vorstand Stefan Kuntz vielleicht ganz gut für den Blutdruck aller HSV-Fans.

Die erste Hälfte: Werder Bremen in seinen abgrundtief hässlichen Auswärtstrikots spielte munter mit, das Tor machte aber der Effizienz-BVB. Ein Kopfball von Nico Schlotterbeck nach einer Ecke – unglamouröser und dortmundiger 2025/2026 kann man es nicht machen. Über den Rest der Dortmunder 45 Minuten breitet man den Mantel der echten Liebe aus.

Die zweite Hälfte: Wie die erste. Statische Mängel. Nach 75 Minuten hatte Marcel Sabitzer ein Einsehen und machte das 2:0. Und dann traf auch noch der eingewechselte Serhou Guirassy. Werder ist damit die erfolgloseste Bundesliga-Mannschaft der vergangenen sechs Partien. Man muss sich langsam Sorgen machen an der Weser. Und das Gesicht von Trainer Horst Steffen wird von Woche zu Woche faltiger.

Spieler des Spiels: Was täte der BVB nur ohne Schlotterbeck? Hinten räumt er alles ab, und dann muss er jetzt auch noch vorn die Tore machen. Die letzte Identifikationsfigur dieser blutleeren Mannschaft. Nico ist Nikos Liebling.

Fehlender des Spiels: Wenn ein Torjäger über Wochen nicht trifft, dann muss er eben auch mal auf die Bank. So geschehen mit Guirassy, ganz normal. Aber die Bundesliga verlangt nach ständigen Aufregern, also wurde wild herumspekuliert, woran es denn liege und ob man den Mittelstürmer einfach so aus der Startelf aussortieren könne. Ruhig, Schwarzgelber! Die Inkonstanz gehört nun mal zu den BVB-Spielern dazu. Man frage Julian Brandt, man frage Karim Adeyemi. Beide neben Guirassy auf der Bank.

Zitat des Spiels: »Eigentlich kein gutes Spiel.« Dazn-Livekommentator Lukas Schönmüller beherrscht ihn, den Jargon der Eigentlichkeit.

Was sonst noch passierte: Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl wurde von Sky als Nachfolger von Stefan Kuntz beim Hamburger SV ins Gespräch gebracht. »Direkten Kontakt zum HSV soll es aber unseren Informationen nach noch nicht gegeben haben.« Alles klar, Sky.

Zahl des Spiels: Dortmund hat zum Ende der Hinrunde nun 36 Punkte erreicht. In der Vorsaison waren es zu diesem Zeitpunkt 25, davor 30, davor 31, davor 34, davor 29. Kovač sollte sich von Boris Büchler interviewen lassen. Dann könnte er mit Fug und Recht antworten: Wat wollen se?

Erkenntnis des Spiels: Fußball ist ein Ergebnissport. Das ist zuweilen zu bedauern. Aber nicht zu ändern.

Schlotterbeck und sein Muskelspiel

Foto: Friedemann Vogel / EPA

Stürmerstars Karim Adeyemi und Serhou Guirassy, eingemummelt

Foto: Bernd Thissen / dpa

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