Die Kontrahenten haben gewählt
Seit Sonntagmorgen sind die Wahllokale in Baden-Württemberg geöffnet, rund 7,7 Millionen Wählerinnen und Wähler sind aufgerufen, sich an der Abstimmung über den künftigen Landtag zu beteiligen. In Gutach im Schwarzwald ging es dabei bunt zu: Einige Einwohnerinnen traten in traditioneller Tracht an die Wahlurnen, inklusive Bollenhut. Der ist neben Kirschtorte und Kuckucksuhr das Wahrzeichen des Schwarzwalds.
Der Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, hat unterdessen in einem Wahllokal in Stuttgart seine Stimme abgegeben. Der 60-Jährige kam allein in die Schule, wo das Wahllokal eingerichtet ist. Özdemir will Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) werden, der nach drei Amtszeiten nicht mehr antritt.
Chancen auf Kretschmanns Nachfolge hat neben Özdemir auch CDU-Landeschef und -Spitzenkandidat Manuel Hagel. Der 37-Jährige hat seine Stimme in Begleitung seiner Frau Franziska in einem Wahllokal in Ehingen im Alb-Donau-Kreis abgegeben. Sollte er die Wahl gewinnen, wäre er der bisher jüngste Ministerpräsident eines Bundeslandes.
Auch Kretschmann hat bereits am Sonntagmorgen gewählt. Begleitet von Ehefrau Gerlinde und Sohn Johannes kam der 77-Jährige zum Wahllokal in Sigmaringen. Nach 15 Jahren als Ministerpräsident in Baden-Württemberg tritt der Grünenpolitiker bei dieser Wahl nicht mehr an. Seit 2016 hat Kretschmann mit der CDU regiert, zuvor fünf Jahre lang mit der SPD.
AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier hat seine Stimme für die Landtagswahl in Weil der Stadt im Kreis Böblingen abgegeben, begleitet wurde er dabei von Beamten des Bundeskriminalamts. Die Partei des 35-Jährigen will bei der Abstimmung in Baden-Württemberg zum ersten Mal in einem westdeutschen Bundesland die 20-Prozent-Marke knacken. Um diesen Wert pendelte sie in jüngsten Umfragen.
Die AfD, die der Verfassungsschutz im Südwesten als rechtsextremen Verdachtsfall beobachtet, dürfte stärkste Oppositionskraft werden. Eine Zusammenarbeit mit ihr schließen alle anderen Parteien aus.
Grüne und CDU in Prognosen gleichauf
Umfragen sahen zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU und den Grünen. In der letzten Umfrage des ZDF-»Politbarometers« lagen beide mit 28 Prozent gleichauf. Zuvor hatten die Grünen den Abstand auf die lange deutlich führende CDU stark verkleinert.
Die Wahl findet zum ersten Mal nach einem neuen Wahlrecht statt. Bei der Abstimmung haben die Wählerinnen und Wähler nun zwei Stimmen, ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Die Zweitstimme ist die wichtigere Stimme, sie entscheidet über die Kräfteverhältnisse im Landtag. Mit der Erststimme bestimmen die Wähler den Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis.
In Baden-Württemberg können rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte in 70 Wahlkreisen über die Kandidatinnen und Kandidaten abstimmen. Die Sieger aus den Wahlkreisen ziehen über Direktmandate in den Landtag ein, weitere mindestens 50 Abgeordnete über die Zweitstimmen der Parteien, sodass im neuen Parlament mindestens 120 Abgeordnete zusammenkommen.
Bei der vergangenen Wahl im März 2021 betrug die Wahlbeteiligung 63,8 Prozent. 34.849 Stimmen, 0,7 Prozent, waren damals ungültig.
Bei der aktuellen Wahl lag die Wahlbeteiligung laut Landeswahlleiterin Cornelia Nesch am Sonntag um 14 Uhr bei 42,35 Prozent. In dieser Zahl sind Briefwählerinnen und -wähler nicht berücksichtigt. Insgesamt haben zwei Millionen Wahlberechtigte Briefwahl beantragt. Bei der Landtagswahl 2021 hatte Wahlbeteiligung zur selben Zeit noch 30,57 Prozent betragen. Die geringere Zahl der Urnenwähler dürfte damals auf eine coronabedingt höhere Zahl von Briefwählern zurückzuführen gewesen sein, heißt es in einer Mitteilung der Landeswahlleiterin.
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Grünenpolitiker Özdemir: Chancen auf Kretschmanns Nachfolge
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