Söder kritisiert Vatikan für Umgang mit Missbrauchsskandal
Der Vatikan hat nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder viel zu spät auf die ersten Missbrauchsvorwürfe reagiert. Auch die katholische Kirche insgesamt sei laut dem CSU-Politiker bei der Aufarbeitung ihres Missbrauchsskandals nur schwer in Gang gekommen. Das sei schade gewesen: »Ich finde, heute wird da anders drüber geredet. Heute wird sich anders bemüht, auch wenn noch nicht alles geklärt ist«, sagte er beim Katholikentag in Würzburg. »Es gibt nichts Schlimmeres als den Missbrauch einer moralischen Garantenstellung, um sexualisierte Gewalt auszuüben.«
Zum Umgang des Vatikans mit den Vorwürfen sagte Söder: »Ich empfinde es bis heute als extrem schade und unglücklich, dass man das nicht stärker gemacht hat«, sagte Söder, der auch CSU-Chef ist. Er spüre bei vielen Menschen, die sich von der Kirche distanziert hätten, dass dies aus jener Zeit herrühre. »Und das sollte eigentlich nicht sein.« Die Aufarbeitung sei nach wie vor »ein ganz wichtiges Moment, das Kirche, egal welche, weiter betreiben muss«.
Papst Leo XIV. hatte im vergangenen Jahr die Erwartungen gedämpft, dass sich im Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsvorwürfen grundlegend etwas ändern werde. Der Missbrauch durch Geistliche sei zwar eine »eine echte Krise«, bis zum Nachweis ihrer Schuld gelte jedoch die Unschuldsvermutung, und Beschuldigte sollten entsprechend »geschützt« werden, sagte der Papst in einem Interview. Den Opfern müsse die Kirche mit »großem Respekt« und »Verständnis« begegnen, sagte Leo. Das Thema sexueller Missbrauch solle während seines Pontifikats aber »nicht zum zentralen Thema der Kirche werden«.
Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland wurde 2010 öffentlich. Seitdem kamen viele Fälle von sexualisierter Gewalt innerhalb der Kirche ans Licht. Auch international, etwa in Südamerika, Irland und den USA, erschütterten zahlreiche Missbrauchsfälle die Kirche.