Wie wird sich Urlaub im Jahr 2030 anfühlen?
Neulich war ich für zwei Nächte in einem Biohotel in Mecklenburg-Vorpommern, nahe der Ostsee, das ich schon seit Jahren kenne und schätze: den freundlichen Empfang, das üppige Frühstücksbuffet und vieles mehr. Dieses Mal war alles anders. Die Rezeption hatte bei meiner Ankunft schon geschlossen, das Buffetangebot am Morgen war deutlich reduziert, die kaputte Heizung nicht ad hoc zu reparieren. Der Betrieb musste vor Kurzem Insolvenz anmelden und als erste Sanierungsmaßnahme viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Diese Menschen fehlten!
So also wird es sich die Zukunft anfühlen, dachte ich mir. Wenn es immer mehr ältere und alte Urlauberinnen und Urlauber gibt, die sich Komfort wünschen, und immer weniger, die an der Rezeption, in der Küche arbeiten oder sich sonst um die Bedürfnisse ihrer Gäste kümmern. Die Tourismusindustrie experimentiert längst mit Möglichkeiten, Personal einzusparen – und mit Roboterersatz.
Mehr als ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands wird in etwa zehn Jahren über 67 Jahre alt sein – wie ich. Zugleich wird sich der Arbeitskräftemangel verschärfen. Wie wird sich die Urlaubswelt dann verändert haben?
Gedanken über den demografischen Wandel haben sich Strategieberater Wolfgang Isenberg, sowie der frühere TUI-Manager Günter Ihlau gemacht. Sie meinen, Gäste würden ihn zuerst als Service- und Kapazitätsfrage erleben: längere Wartezeiten etwa beim Check-in und in Restaurants, kürzere Öffnungszeiten, Reservierungszwang in der Gastronomie oder bei Ausflügen, weniger Personal »auf Sicht«.
»Gleichzeitig hinterlässt der Wandel sichtbare Spuren im Design – Barrierefreiheit wird zum Standard und prägt Hotels und Orte durch stufenarme Wege, mehr Sitzgelegenheiten, Aufzüge und angepasste Zimmerkonzepte«, sagt Isenberg, 73, im Videocall. »Vermehrt würden die älteren Reisenden nahe und mittelweit entfernte Reiseziele auswählen, und das eher in der Nebensaison. Sie sind länger vor Ort, benötigen mehr Komfort und medizinische Versorgung. Wer reisen kann, entscheidet sich nach Vermögen und Gesundheit.«
»Noch beschäftigt sich die Tourismusindustrie nicht wirklich mit dem Thema«, sagt Isenberg, »und bei den Reisenden herrscht die Meinung: Alt sind ja immer die anderen.« Er lacht. »Der Reisende verklärt immer seine eigene Rolle.«
Wenn ich also 2035 unterwegs sein werde, wird sich vieles verändert haben: weniger Party, mehr Patina. Weniger spontanes Essengehen, mehr Reservierungen. Manches spüre ich schon jetzt, manches wird mich noch überraschen.
Meine Lesetipps:
Im Badeanzug in ein Eisloch steigen? Nach einem Saunagang würde ich das vielleicht tun. Aber sich so unter das Eis eines finnischen Sees zu wagen? Niemals. Malte Clavin wollte aber wissen, wie das geht – und hat es selbst getestet .
Auch sehr kalt: Schweden, nördlich des Polarkreises. Im späten Winter zieht es Ski-Bums und Freerider aus aller Welt in den kleinen Ort Riksgränsen, in dem Schnee noch lange keine Mangelware sein wird. Bei Pulverschneefans wie mir löst dieser Text große Sehnsucht aus .
Das krasse Gegenteil hat Michael Martin in Mauretanien erlebt, das größtenteils aus Wüste besteht. Dort hat der Fotograf nachts auf den legendären, mehrere Kilometer langen Eisenerzzug gewartet und mit seiner Drohne perfekte Dünen und das Auge der Sahara erfasst .
Hingucker – das Bilderrätsel
Kann das Grönland, Spitzbergen oder Kamtschatka sein? Sicher nicht, schon allein die Menge an Menschen deutet auf einen anderen kalten Ort. Nur – auf welchen? Die Auflösung finden Sie am Ende des Artikels.
Reisebüro – eine Frage, unsere Antwort
Frage: Bei vielen Familien wird die Frage drängender: wohin im Sommer? Und wie übernachten? Beliebt sind bei ihnen Ferienwohnungen – und bis Ende April sind etwa bei der Ferienhausplattform Fewo-direkt laut eigener Aussage im Schnitt schon 70 Prozent der Buchungen für Juli und August getätigt. Wie findet man aber die guten Preise? Und was muss man aktuell beachten?
Antwort: Urlaubsschnäppchen sind grundsätzlich leider eher in der Nebensaison oder für Frühbucher zu finden. Trotzdem gibt es für die Suche nach dem besten Fewo-Preis noch diese Tipps:
Wenn eine passende Wohnung auf Vergleichsportalen im Internet gefunden ist (etwa bei Booking.com , Expedia und Trivago oder Spezialisten wie Fewo-direkt.de , HomeToGo , Traum-Ferienwohnungen.de und Urlaubsarchitektur ), lohnt der Preisvergleich zwischen den Plattformen. Falls der Anbieter der Wohnung eine eigene Website hat, welcher Preis ist dort angegeben? Manchmal ist eine Wohnung auch bei einer lokalen Vermittlung gelistet, vielleicht günstiger. Dabei auch auf Stornierungsfristen und Zusatzkosten wie Reinigung achten. Mehr Günstig-Tipps gibt es hier .
Vorsicht, wenn ein luxuriöses Ferienhaus in Toplage zu Traumpreisen angeboten wird. Manchmal bleibt es ein Traum – wenn das Schnäppchen über gefälschte Buchungswebseiten und Angebote in sozialen Medien oder Fake-Inserate auf seriösen Plattformen gejagt wird (Lesen Sie hier: Die Geschichte über den geplatzten Traum von einem Villa-Schnäppchen). Die Allianz der Vermietagenturen (Alva) hat eine Checkliste für die Buchung erstellt und meldet konkrete Fake-Webseiten ; auch der Verbraucherzentrale Bundesverband hilft, Urlaubs-Fakes zu erkennen . Erste Warnsignale: ein fehlendes oder unvollständiges Impressum, ein nicht vorhandener Belegkalender oder die Aufforderung, die Miete sofort zu bezahlen, auch wenn der Urlaub erst in einigen Monaten ansteht. Mehr dazu hier .
Ein Auge auf ihre Buchung sollten Spanienreisende haben: Seit Mitte vergangenen Jahres müssen die Besitzer einer Ferienwohnung eine zentral einheitliche Registrierungsnummer besitzen, um legal vermieten zu können. Am Montag hat die Regierung die Zahl der abgelehnten Anträge bekannt gegeben: Landesweit traf es jede fünfte Kurzzeitunterkunft, auf den Kanaren, in Katalonien, Andalusien und Valencia sind es sogar rund 73 Prozent. Die illegalen Wohnungen müssten jetzt von Onlineplattformen wie Airbnb oder Booking entfernt werden. Was dies für Urlauber bedeutet, ist bislang nicht klar. Barcelona zum Beispiel will bis Ende 2028 sogar alle Fewos abschaffen.
Hier gibt es Futter – für Kopf und Bauch
Reisebücher und gutes Essen machen satt und glücklich. An dieser Stelle haben wir zweierlei für Sie:
Für den Kopf: Ihre neue Karriere begann auf einer viermonatigen Reise durch Thailand: Aus der Kanadierin Barbara Woolsey wurde DJane Babxi. Das professionelle Mischen von Electro-Tracks lernte sie, als sie allein unterwegs war, in Klubs, auf Hauspartys und Festivals auf Ko Samui, Ko Tao und Ko Pha-ngan. Ihre Geschichte ist eine der 30, die der Sammelband »Mach deine Reise« aus dem Lonely Planet Verlag zusammenfasst. Frauen, überwiegend aus den USA und Großbritannien, erzählen, wie Soloreisen ihr Leben verändert haben und wie sie das Alleine-Unterwegssein gestalten, damit es sich gut anfühlt.
Ich habe mich in ihren teils sehr besonderen Erlebnissen festgelesen: Da ist die Luftakrobatin aus Kentucky, die auf einer Trainingsreise nach Las Vegas ihrem Traum eines eigenen Zirkus näher kam. Die »Nomadin im Ruhestand« aus Brooklyn, die ihre jahrelange Weltreise weit im Voraus durchgeplant hatte. Aber auch jene Reisenden aus Florida, die nach Missbrauchserfahrungen auf den Azoren wieder Zugang zu ihrer Stärke fand. Und die Indigene, die erst in Regenwäldern und beim Angeln mehr über ihr kulturelles Erbe erfuhr.
»Inspirierende Solo-Abenteuer von Frauen für Frauen« heißt es im Untertitel, wobei viele der Erlebnisse von Arktis bis Aruba und der Tipps zum Alleinreisen auch männliche Soloreisende inspirieren und ihnen helfen könnten. Geht es doch um das Testen der eigenen Grenzen – ob in Paris, bei mongolischen Rentierhirten oder beim Tiefseetauchen im Westpazifik. »Heute denke ich, dass das Soloreisen in nah und fern wie ein Muskel ist: Je öfter du es tust, desto größer wird dein Selbstvertrauen«, schreibt eine der Autorinnen. DJane Babxi steht im Übrigen in Berlin, wo sie meist lebt, noch immer regelmäßig hinter Mischpulten in Klubs und auf Festivals.
Für den Bauch: Beim Lesen von Woolseys Thailand-Erlebnissen meldet sich bei mir das Fernweh – und die Sehnsucht nach einem Gericht, das als Erste-Hilfe-Pflaster dienen könnte, während ich am Schreibtisch mit Sicht auf Hamburger Schneematsch arbeite. Immer wieder helfen mir in solchen Notlagen die Suppen Phở bò aus Vietnam und Tom Kha Gai aus Thailand.
»Sie beamt ihre Esser aus dem aufwühlenden Jetzt hinein ins schöne, leichte Land der Düfte, Wärme, Köstlichkeit«, schreibt unsere Kolumnistin Verena Lugert. Die Tom Kha Gai helfe, Schwindel, Schmerzen und Schwäche zu überwinden, und überhaupt sei sie ein Trostessen an schwierigen Tagen. Bingo! Hier ist ihr Rezept.
Das war was – Reisepannen, die in Erinnerung bleiben
Mehr noch als die beeindruckenden Ruinen oder weiten Strände behält man oft im Kopf, was auf dem Weg gründlich danebenging. Welche »Das darf doch wohl nicht wahr sein«-Situation hatten Sie unterwegs zu meistern? Schreiben Sie uns an: reise.leserpost@.de . Betreff: »Reisepannen«. Einige Ihrer Antworten würden wir nach Rücksprache gern veröffentlichen.
»Wir hatten vor dem Ausflug in die Berge kein Geld gewechselt. Taiwan, dachten wir, ist ja fortschrittlich: alles per Karte, alles digital, alles unkompliziert. Als ›einfacher Tagesausflug‹ war auch die Tour zum größten Wasserfall des Landes angepriesen worden. Dass sie uns herausfordern würde, dämmerte uns auf der kurvenreichen Autofahrt. Unsere sechs Jahre alte Tochter erbrach sich mit einer Konsequenz, die jede Illusion von Kontrolle beendete.
Dann der Shifen-Wasserfall: Postkartenidylle, grün, feucht, tosend. Und ein Kind, das nach der kurzen Wanderung vom Parkplatz schlagartig von Übelkeit auf existenziellen Hunger umschaltete. Jetzt. Sofort. Sonst Weltuntergang.
Neben der Aussichtsplattform standen kleine Verkaufsbuden. Von einer duftete es unwiderstehlich. Das Gebäck sah aus wie eine Mischung aus Poffertjes und Miniwaffeln: dampfende Küchlein in Herzform. Süß. Verheißungsvoll. Das Kind sah sie, strahlte – und dann fiel der Satz, der alles zerstört: ›Cash only‹. Das Strahlen kippte. Die Unterlippe begann zu beben. In mir zog sich alles zusammen: Mitleid, Ärger, Erschöpfung – dieses hässliche Knäuel, das nur Eltern kennen.
Ich erklärte, redete, beschwichtigte. Zwecklos. Und dann tat die Verkäuferin etwas vollkommen Unökonomisches. Sie lächelte, griff zu, füllte eine riesige Tüte mit diesem taiwanischen Gebäck – und schenkte sie dem Kind. Kein Pathos, kein großes Wort. Einfach so. Wir werden sie nie vergessen.«
Verena Töpper, SPIEGEL-Redakteurin im Ressort Leben
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Planen Ihres Urlaubs 2026.
Ihre Antje Blinda
*Auflösung des Bilderrätsels: Das Foto zeigt die Eisschollen auf der Elbe bei Geesthacht in Schleswig-Holstein. Die Minustemperaturen der vergangenen Tage ließen das Wasser frieren, die Schollen türmten sich am Geesthachter Wehr zu kleinen Bergen auf. Das Naturspektakel zog so viele Ausflügler an, dass die Polizei die Zufahrten zur Schleuseninsel sperren musste und auf den Nahverkehr und Wanderwege verwies. Die Stadt warnt davor , Eisschollen zu betreten, und appelliert, die Wasserstände im Blick zu behalten.
Modern Art European Museum in Barcelona: »Pepper« wurde 2021 als Roboterguide vorgestellt
Foto: Enric Fontcuberta / EPAHingucker: Ein Bild zum Rätseln
Foto: Fabian Bimmer / REUTERSDJane Babxi: Den Groove aus Thailand mitgebracht
Foto: Alone in the groove / Lonely PlanetShifen-Wasserfall: Postkartenidylle, grün, feucht, tosend
Foto: Julien Duval / ddp images